Deutsche in den Unionsregimentern

 

Bis zum Juni 1861 standen den elf sezedierten Südstaaten 22 unionstreue Bundesstaaten gegenüber, von denen allerdings vier weiterhin Sklavenwirtschaft betrieben. Unter massiven politischen und militärischen Druck konnte die Regierung in Washington alle Abspaltungsversuche verhindern. Unter Zugrundelegung ihrer prozentualen Beteiligung soll die deutsche Partizipation in den Einheiten der unionstreuen Staaten erläutert werden. Die oft geführte Diskussion über die exakte Anzahl der Deutschen, welche sich bis Kriegsende in den Unionsregimentern gemeldet hatten, soll hier nicht weiter vertieft werden. Neuere Studien sprechen von über 216.000 Deutschen auf der Seite des Nordens, obwohl ein wissenschaftlicher Beweis nicht zu führen ist. Bereits im Jahre 1911 beklagte der deutsche Historiker Wilhelm Kaufmann die ungenauen Statistiken in der Armee. Insbesondere wurde zu Kriegsbeginn nur oberflächig in den Rekrutierungsbüros gemustert. Kaufmann berief sich auf diese Tatsache und errechnete infolgedessen ein wesentlich höheres Kontingent an deutschen Soldaten in den Regimentern des Nordens. Dabei verschwieg er allerdings, dass in vielen Fällen Soldaten als Deutsche eingemustert wurden, weil ihr Name eine solche Schlussfolgerung zuließ. Hier zeigt sich Kaufmann widersprüchlich, da er einerseits relativ genaue Angaben über zusätzliche Deutsche macht, die in den offiziellen Statistiken fehlen, andererseits aber nicht in der Lage ist, „putative“ Deutsche zu beziffern.

Der amerikanische Militärarzt Dr. Benjamin Gould hatte nach dem Bürgerkrieg die offiziellen Reporte ausgewertet und gab im Ergebnis dessen eine Gesamtsoldatenzahl von 2.018.200 an, die zwischen 1861 und 1865 in den Regimentern des Nordens gemeldet waren. In seiner Studie untersuchte er auch das ethnische Element und offerierte dadurch die erstaunliche Erkenntnis, dass die deutschen Einwanderer mit Abstand die loyalsten Unionisten hinsichtlich ihrer militärischen Aktivitäten gewesen sein mussten. Fast 9 Prozent, genauer gesagt 176.817 Unionssoldaten, waren in Deutschland geboren worden. Entsprechend ihres numerischen Potentials hatten alle ethnischen Gruppierungen im Verlaufe des Krieges eine errechnete Anzahl an Pflichtsoldaten für die Union zu stellen. Die Deutschen kamen dieser Pflicht nicht nur nach, sondern sie erfüllten die Statistik mit 58.415 zusätzlichen Soldaten, oder deutlicher ausgedrückt mit fast 50 Prozent mehr als gefordert.

Zum Vergleich dazu stellte das zahlenmäßig überlegene irische Element in der Union lediglich knapp über 23 Prozent an zusätzlichen Soldaten für den Kriegsdienst. Dabei relativiert allerdings die Tatsache, dass nicht alle gemeldeten Soldaten Freiwillige waren, sondern eine große Anzahl aufgrund der Wehrpflicht zum Militär kam oder aber als Ersatzmann für einen Gutsituierten Nordstaatler herhalten musste. Hierüber geben die Statistiken jedoch keine genaue Auskunft.

Fast 20 Jahre später erstellte der ehemalige Unionsoffizier William F. Fox (1840-1909) eine weitere Statistik über den zahlenmäßigen Einsatz der Unionssoldaten. Dabei errechnete er wesentlich höhere Zahlen, als dies Gould in seiner Untersuchung getan hatte. Zweifelsfrei bereinigte Fox Ungenauigkeiten, welchen Benjamin Gould noch im Jahre 1869 unterlegen war und macht seine Statistiken nahezu unbrauchbar. Der Grund, weshalb Wilhelm Kaufmann nicht auf die präzisen Aussagen von Fox zurückgegriffen hatte liegt darin begründet, dass letzterer keine eigenen Berechnungen der ethnischen Komponente vorgenommen hatte. Eine simple Projektion der errechneten deutschen Kriegsteilnehmer auf die nahezu genauen Statistiken des William F. Fox hätte darüber hinaus eine unerwünschte prozentuale Verringerung des deutschen Elements zur Folge gehabt. Trotz des disparaten und obsoleten Charakters der Untersuchung des Benjamin Gould sollen seine Zahlen die Grundlagen für die nachfolgende Zusammenstellung sein.

Die nachfolgende Auflistung soll einen Überblick der Teilnahme deutscher Einwanderer im Amerikanischen Bürgerkrieg vermitteln.

 

Maine

New Hampshire

Vermont

Massachusetts

Rhode Island und Connecticut

New York

New Jersey

Pennsylvania

Delaware

Maryland

District of Columbia

Westvirginia

Kentucky

Ohio

Indiana

Illinois

Michigan

Wisconsin

Minnesota

Iowa

Missouri

Kansas

 

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