Der Spencer Karabiner im Kurztest

 

 

Am Wochenende nutzte ich die Gelegenheit des schönen Wetters, um den Spencer Originalkarabiner Modell 1865 zum ersten Mal auf dem Schießplatz zu testen. Vorraussetzung hierfür war die Auswechslung des Verschlussblocks mit Randfeuerzündung gegen einen Zentralfeuerblock. Bestellt werden kann dieser direkt in den Staaten oder bei Heiko Schiemann. Dazu benötigt man den entsprechenden Matrizensatz, um die mittels Spezialkokille gegossenen .56 – 50 Projektile in Messinghülsen laden zu können. In die Hülsen, die wiederum ebenfalls bei Heiko Schiemann bestellt werden können, passen etwa 35 grains Schwarzpulver. Genug, um die Bleiprojektile in Richtung Zielscheibe zu befördern. Das Zünden der Patrone kann unter Umständen mit einigen Schwierigkeiten verbunden sein. Der Schlagbolzen ragt nicht immer gleichmäßig weit genug aus dem Zentralfeuerblock heraus, um das Zündhütchen durchschlagen zu können. Hier sind, wie bei mir geschehen, mehrere Male Abschlagen des Hahns erforderlich. Sollte dies nicht ausreichend sein, muss das Schlagstück bzw. die Schlagbolzenfeder verändert werden. Der Schuss selbst wirkt auf Grund der relativ geringen Ladung äußerst weich. Hinzu kommt die robuste Fertigung der Waffe, die mit einem Gewicht von etwa 3,8 kg die Schussenergie weitestgehend absorbiert.

Der Auswurf der ersten leer geschossenen Hülsen erweist sich als problemlos. Allerdings kann es nach einigen weiteren Schüssen zu Klemmern kommen. Hier führen Schwarzpulverablagerungen am vorderen Bereich des Patronenlagers zum festen Sitz der leeren Messinghülse. Der Auswurfhebel, der tatsächlich nur aus einem dünnen Blech an der linken Verschlussblockseite besteht, ist seiner Aufgabe bereits nach einigen Schüssen kaum noch gewachsen. Auch das Repetieren kann unter Umständen zum Kraftakt ausarten. Beim Nachladen schert der Verschlussblock die nachfolgenden Patronen direkt am Bleigeschoss regelrecht ab. Das erschwert nicht nur den Ladevorgang mit vollem Kolbenmagazin, sondern beeinträchtigt natürlich auch die Präzision der Munition. Dennoch hat mich die Qualität der rund 140 Jahre alten Waffe überzeugt. Alle Schüsse lagen stehend freihändig auf der Scheibe (50 m). Und das trotz einer wirklich erbärmlichen Visiereinrichtung! Eine kontinuierliche Schussabgabe ist sicher nur durch das optimale Anpassen von Munition und Waffe zu erreichen. Hier muss allerdings mit äußerster Sorgfalt vorgegangen werden, um keine negativen Beeinträchtigungen am Verschlusssystem oder an der Waffe selbst zu verursachen.

Oben liegen Original Randfeuerblock und Zentralfeuerblock (deutliche Bunthärtung). Darunter sind Messingladehülsen sowie Bleigeschosse im Kaliber .56 - 50 zu sehen.

Von links nach rechts: eine Original Spencer Patrone .56 - 56. In der Mitte eine Original Spencerpatrone .56 - 50, daneben eine neue Spencerpatrone .56 - 50 für Zentralfeuerzündung.

Der Randfeuerblock mit dem Bodenteil der Original Spencerpatrone .56 - 50. Zu erkennen (hoffe ich) ist die Prägung J. G. Die Buchstaben stehen dabei für Jacob Goldmark, der ab August 1864 in Brooklyn, New York, rund 9 Mio. Spencerpatronen für die Regierung fertigen ließ.

Sieben Patronen passen in den Gewehrkolben. Die Patronen werden einfach in den Kolben "geschüttet" und anschließend mit der Laderöhre in Richtung Verschlussblock befördert.

Eine .56 - 50er Spencer auf dem Weg in das Patronenlager. Links unten gut zu erkennen: Das schwertförmige Blech des Hülsenziehers, der mit der Vorwärtsbewegung des Verschlussblocks in einer Vertiefung neben dem Patronenlager verschwindet. Oben sitzt das breite, federgelagerte Auswurfblech, welches durch den Verriegelungsvorgang die leere Hülse endgültig aus dem Verschluss komplimentieren soll.

                   

Die später nachkolorierten Fotos aus der Zeit des Amerikanischen Bürgerkrieges zeigen einen vorbildlich ausgerüsteten Unionskavalleristen. Allerdings wurde im Feld der Schultergurt entgegen der hier gezeigten Trageweise, rechts über der Hüfte gekreuzt. In den beiden gezeigten Abbildungen führt er jeweils einen Spencer Karabiner, Model 1860.

Quelle: U. S. Army Quartermaster Museum, Fort Lee, Virginia.

 

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