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Felix
Salm-Salm. Ein deutscher Prinz im
Amerikanischen Bürgerkrieg 1861-65.
Das abenteuerliche Leben des Prinzen
Felix Constantin zu Salm-Salm

Prinz Felix als
amerikanischer Offizier
Unter
den zahlreichen deutschen
Offizieren, die während des
Deutsch-Französischen Krieges
gefallen waren, befand sich auch der
Major des 4. Garde-Grenadier
Regiments „Königin“, Prinz Felix
Salm-Salm. In der Schlacht von
Groevelotte, in der Nähe von
St.Privat verlor er am 18. August
1870 an der Spitze seiner Einheit
sein Leben. Wer war dieser Prinz,
der auf dem blutigen Schlachtfeld
in Frankreich sein Ende fand?
Geboren wurde er am 28. Dezember
1828 auf dem Anwesen der Burg Anholt
in Westfalen unter dem Namen Felix
Constantin Alexander Johann Nepomuk
Marie zu zu Salm-Salm. Sein Vater
Fürst Wilhelm zu Salm-Salm hatte die
aus Ajaccio, Korsika stammende
Flaminia di Rossi geheiratet, die
ihm drei Söhne gebar. Damit gehörte
der jüngste Spross, Felix, zu einem
alten Fürstengeschlecht der Wild-
und Reingrafen, das seine Wurzeln im
11.Jahrhundert hat. Seit 1645
residierten die Fürsten Salm in
Westfalen. Noch heute ist die
Wasserburg Anholt die Hauptresidenz
und befindet sich in Privatbesitz.

Agnes und Prinz Felix im Herbst
1862.
Zusammen mit seinen
älteren Brüdern erhielt Prinz Felix
eine ausgezeichnete Schulbildung.
Bereits in jungen Jahren verließ er
das elterliche Anwesen und ging nach
Berlin, wo er sich einem preußischen
Gardekürassierregiment anschloss und
seine Beförderung zum Leutnant
erhielt. Mit Ausbruch des
Schleswig-Holstein Krieges von 1848
nahm er als preußischer Offizier an
den Kampfhandlungen teil. Nachdem er
siebenmal verwundet und von den
dänischen Soldaten gefangen worden
war, konnte er später für seine
Tapferkeit ein „Ehrenschwert“ aus
den Händen des preußischen Königs
entgegen nehmen. Um möglichste viele
militärische Erfahrungen sammeln zu
können, reiste der Prinz später nach
Wien und trat in die österreichische
Armee ein. Zur Untätigkeit verdammt,
verfiel er zunehmend in
Spielschulden, die ihn letztendlich
im Frühjahr 1861 zur Reise nach
Nordamerika zwangen. Seit April
tobte hier ein blutiger Bürgerkrieg,
der dem Prinzen mehr als gelegen
kam. Mit besten Referenzen des
preußischen Königs ausgestattet,
hoffte Felix auf die Einberufung in
ein Regiment des Nordens. Seit
Kriegsbeginn hatten sich bereits
zahlreiche deutsche Emigranten
freiwillig zu den Unionseinheiten
gemeldet, um der Sezession der neu
gebildeten Konföderierten Staaten
mit Waffengewalt zu begegnen. Dabei
sollten die Deutschen einen
gewaltigen Beitrag leisten: Fast
200.000 Soldaten der Unionsarmee,
die bis 1865 auf den Schlachtfeldern
kämpften, waren deutscher Herkunft.
In New York hatte ein wohlhabender
Kaufmann und ehemaliger Teilnehmer
der deutschen Revolution von 1848
ein Regiment aus Freiwilligen
rekrutiert, die fast ausnahmslos aus
Deutschland stammten. Oberst Ludwig
Blenker war in diesen Tagen
Ansprechpartner für viele Aspiranten
aus Deutschland, so dass auch der
Prinz Felix ihn sofort aufsuchte.
Kurze Zeit später erhielt er seine
Beförderung zum Stabschef von Oberst
Blenker im 8. New Yorker
Freiwilligenregiment. Der Prinz war
33 alt und zu all seinen
militärischen Erfolgen gesellte sich
ein sehr privater Aspekt , der
fortan ein fester Bestandteil seines
Lebens und seiner Karriere sein
sollte. Nachdem Ludwig Blenker, nun
im Range eine Brigadegenerals, eine
Division in einer Stärke von 10.000
Soldaten kommandierte, traf Prinz
Felix im Frühling 1862 im
Militärlager Hunters Chapel eine
junge, bezaubernde Frau. Agnes
Elisabeth Winona Leclerc Joy war
frankokanadischer Abstammung und die
Tochter eines Generals. Obwohl sie
16 Jahre jünger war als Prinz Salm,
so zog sie ihn dennoch durch ihre
Schönheit und außergewöhnliche
Intelligenz in ihren Bann. Prinz
Felix verfiel ihr. Trotz
unterschiedlicher Konfessionen
heiraten beide bereits im August
1862 in der St.Patrick Kirche in
Washington. Kurze Zeit später
übernahm der Prinz das 8. New York
Infanterieregiment trotz zahlreicher
Proteste der Offiziere. Agnes
Leclerc, die sich mittlerweile als
Prinzessin bezeichnen durfte, hatte
durch ihren politischen Einfluss
ihrem Ehemann diese hohe
Kommandostelle beschaffen können.
Nachdem sie immer wieder erklärt
hatte, jeden aus den Weg zu räumen,
der dem Prinzen gefährlich werden
könnte, resignierten einige deutsche
Offiziere des 8.
New York Regiments. Agnes
begleitete ihren Mann auf fast allen
Feldzügen während des Krieges und
erregte dadurch immer wieder die
Aufmerksamkeit der Soldaten und
Offiziere. Nach zahlreichen
Gefechten und Schlachten konnte
Oberst Felix Salm-Salm seine
Soldaten im April 1863 aus dem
Dienst entlassen. Unterdessen war
seine Frau Agnes unentwegt damit
beschäftigt, weitere Intrigen zu
spinnen und ihren Einfluss in
Politik und Militär zu vergrößern.
Im Juni 1864 erhielt Prinz Felix das
Kommando über das 68. New York
Infanterieregiment, das ebenfalls zu
einem großen Teil aus deutschen
Einwanderern bestand. Im Januar
1865, nur wenige Monate vor
Friedensschluss marschierte das
Regiment nach Alabama. Hier kam es
noch vereinzelt zu kleineren
Gefechten mit der bereits
geschlagenen Rebellenarmee. Trotz
eines unspektakulären Kriegsdienstes
erhielt der Prinz zu Salm am 13.
März 1865 den Titular Rang eines
Brigadegenerals der Nordstaaten.

Prinz Felix als Oberst des 68.
Regimentes aus New York
Er
selbst bezeichnete später in seinen
Aufzeichnungen seinen Einsatz als
relativ ereignislos aber
gewissenhaft. Etwas anders liest es
sich in den Berichten seiner Frau
Agnes, die 1875 in Stuttgart unter
dem Titel: „Zehn Jahre aus meinem
Leben“, die gemeinsamen
Erlebnisse während des
Amerikanischen Bürgerkrieges
veröffentlichte. Nachdem die
Rebellenarmee unter General Robert
E. Lee vor der Übermacht der
Nordstaaten im April 1865
kapituliert hatte, war auch die
militärische Karriere des Prinzen
beendet. Im Februar 1866 reiste er
zusammen mit seinem Adjutanten und
seiner Frau Agnes nach Mexiko, um
dem von Frankreich eingesetzten
Kaiser Maximilian seine Dienste
anzubieten. Das Land stand vor der
wirtschaftlichen Katastrophe und es
tobte seit Jahren ein Bürgerkrieg.
Nachdem die französischen
Interventionstruppen abgezogen
waren, erhielt der frühere Präsident
Benito Juarez Garcia die Oberhand
und besiegte die Soldaten des
Kaisers. Unter den Gefangenen befand
sich nun auch der Offiziersstab
Maximilians, dem der Prinz Felix
Salm angehörte. Die Situation war
aussichtslos, denn alle erwartete
die Todesstrafe. Bestürzt von den
Ereignissen suchte Prinzessin Agnes
am 18. Juni 1867 den neuen
Präsidenten Juarez auf und bat ihn
auf Knien, ihren Gatten Felix zu
begnadigen. Diese rührselige
Situation war später nicht nur das
Motiv eines Malers (1873), sondern
brachte auch den erhofften Erfolg.
Der Prinz wurde verschont. Kaiser
Maximilian wurde jedoch am nächsten
Tag standrechtlich erschossen. Auf
abenteuerliche Weise entkamen der
Prinz und Agnes den Wirren der
Revolution in Mexiko und reisten
über New York nach Europa. Im Jahre
1868 trafen beide in Berlin ein.
Prinz Felix erhielt trotz seiner
Unterstützung des Kaisers Maximilian
wieder eine Anstellung als Offizier
im preußischen Infanterieregiment
„Königin Augusta“. Prinzessin Agnes
wählte Karlsruhe als ihr Refugium.
Hier war sie ständiger Mittelpunkt
von Bällen und Festlichkeiten und
verzauberte die neugierigen Zuhörer
mit Erzählungen aus ihrer
abenteuerlichen Vergangenheit. Zwei
Jahre später brach der Krieg gegen
Frankreich aus und Prinz Felix zog
mit seinem Regiment in die
Schlachten. In der siegreichen
Schlacht in der Nähe von St. Privat
fiel Major Felix Salm im Alter von
41 Jahren. Jahre später bezeichnete
seine Gattin Agnes ihre gemeinsame
Zeit von 1862 bis 1870 als die
aufregendsten und schönsten Jahre in
ihrem Leben. Gesellschaftlich sehr
engagiert und hoch geachtet starb
Prinzessin Agnes einsam in ihrem
Haus in Karlsruhe am 21. Dezember
1912. Obwohl die historischen Gestalten
des Prinzen und die seiner Frau
nahezu in Vergessenheit geraten
sind, so bieten sie dennoch den
besten Stoff für die verklärte
Darstellung aus einer Zeit voller
kriegerischen Auseinandersetzungen
und romantischen Liebesbeziehungen.

Agnes Leclerq Joy, Prinzessin
Salm - Salm, portraitiert vom berühmten
deutschen Maler Franz
Xaver Winterhalter (1805 - 1873) Ihr
tatsächlicher Geburtstag ist nicht
bekannt. Auf Fragen diesbezüglich
antwortete sie stets, dass sie an
einem 28. Dezember, genau wie der
Prinz, das Licht der Welt erblickt
hätte.

Soweit die
gesicherten Quellen Auskunft geben,
wurde die Prinzessin zu Salm - Salm
als Agnes Elisabeth (Winona) Leclerq
Joy am 25. Dezember 1840 in Swanton,
Franklin County, Vt., geboren. Sie
war die Tochter des Obersten William
Leclerq Joy (1793 - 1866) und seiner
zweiten Frau Julia Willard (gest.
1882). Bereits als Jungendliche
verließ Agnes das elterliche Haus
und verdingte sich als Reiterin in
einem Zirkus in Havanna, Kuba. 1860
kehrte sie nach den U.S.A. zurück
und lernte hier wenig später den
deutschen Prinzen Felix kennen. Am
30. August 1862 wurde dann
geheiratet. Beide führten ein äußert
abenteuerliches Leben. Nach dem Tod
des Prinzen heiratete Agnes im Jahre
1876 den englischen Adligen und
Diplomat Charles Heneage (1841 -
1901). 1899 geschieden, verbrachte
sie einige Zeit in der Schweiz,
später reiste sie zurück nach
Amerika, um anschließend endgültig
zurück nach Deutschland zu kehren.
Sie starb am 21. Dezember 1912 in
Karlsruhe. Nach ihrer Einäscherung
im März 1913 fand sie schließlich
ihre letzte Ruhe auf dem alten
Friedhof in Bonn. Ihr Spitzname
"Winona" stammt aus dem Irokesischen
und bedeutete "Flamme". Angeblich
soll sie diesen Namen von ihrer
Großmutter erhalten haben, die
selbst Irokesin gewesen war.
***

Der Prinz als
preußischer Offizier im Deutsch -
Französischen Krieg
Unter den etwa
20.000 deutschen Verlusten in der
Schlacht bei Gravelotte - St.
Privat, befand sich auch der Prinz
Felix. Das Archiv des königlichen
Garde Grenadier Regimentes
berichtete ausführlich über die
näheren Umstände seines Todes.
Nachdem der befehlshabende Offizier,
Oberst Baron von Waldsee, schwer
verwundet worden war, übernahm Major
Prinz Felix das Kommando. Ein Schuss
zerschmetterte kurze Zeit später
seinen rechten Arm. Der Prinz
stillte die stark blutende Wunde,
indem er sein Taschentuch fest um
den Arm band. Danach ergriff er mit
seiner linken Hand den zu Boden
gefallenen Säbel, richtete sich auf
und stürmte weiter vorwärts, dem
Feind entgegen. Ein zweiter Schuss
traf erneut seinen bereits
verletzten rechten Arm. Die schweren
Verwundungen ignorierend, spornte
der Prinz seine Grenadiere
unermüdlich an und eilte weiter nach
vorn. Ein dritter Schuss beendete
jedoch sein Vorhaben und der Prinz
stürzte, in der Brust getroffen, zu
Boden. Rasch brachten ihn seine
Soldaten hinter die Linie in ein
Feldlazarett. Hier starb er kurze
Zeit später. Seine letzten Worte
richtete er an einen herbeigeeilten
Feldprediger. "Haben wir gewonnen?
Trösten Sie meine Frau. Sie soll
sich der Königin anvertrauen und
seiner Majestät bei dieser
Gelegenheit meine vollste
Ergebenheit versichern." So starb
Prinz Felix zu Salm - Salm am späten
Nachmittag des 18. August 1870.
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