|
Deutsche in
Missourieeinheiten (UNION)

In Missouri war die Beteiligung der Deutschen
an der Aufstellung einer Unionsstreitmacht groß. Über 36
Prozent der Soldaten in diesem Bundesstaat waren in
Deutschland geboren worden. Eine große Anzahl der insgesamt
85.400 Soldaten hatten deutsche Vorfahren. Missouri war ein
beliebtes Einwanderungsziel für die Deutschen. Hier lebten
im Jahre 1860 nach offiziellen Zählungen fast 90.000
deutsche Siedler.
Missouri war ein Grenzstaat und in der
Hauptstadt St.Louis befand sich ein umfangreiches
Waffendepot, welches unmittelbar nach Kriegsausbruch das
Ziel beider verfeindeter Parteien wurde. Es ist eine
unbestrittene Tatsache, dass es den unionstreuen Deutschen
zu verdanken ist, dass das Waffenlager in St.Louis nicht
Opfer der Plünderungen durch sezessionistische Kräfte wurde.
Bereits im April 1861 formierten sich deutsche Soldaten zu
so genannten Heimwehr Einheiten (Homeguard).[i]
Innerhalb kurzer Zeit standen dem Bundesstaat Missouri
einige gut ausgebildete deutsche Regimenter zur Verteidigung
der Union zur Verfügung.

General Sigel und General Lyon in
heroischer Reiterpose 1861.
Das 1. Missouri Freiwilligen Regiment (Volunteers)
bestand aus drei Kompanien Turner[ii]
aus St.Louis und einer Kompanie irischer Einwanderer. Im
Gegensatz zu ihren deutschen Mitbürgern entschieden sich
viele Iren nach Ausbruch des Krieges für die Konföderation
und lösten sich daher von ihrem Bundesstaat Missouri. Das
Kommando über das 1. Missouri Infanterieregiment erhielt der
beliebte und germanophile Francis P. Blair, dessen Bruder
als Postminister im Kabinett Abraham Lincoln seine Arbeit
aufgenommen hatte. Ebenfalls am 23. April 1861 wurde das 2.
Missouri Freiwilligenregiment in St.Louis unter dem aus
Hamburg stammenden Heinrich Börnstein eingemustert.
Börnstein, ein ehemaliger österreichischer Offizier,
emigrierte nach den Aufständen in Europa 1849 in die USA. Er
ließ sich in St.Louis nieder, wurde Herausgeber der
deutschen Zeitung „Der Anzeiger des Westens“ und nahm
wesentlich Einfluss auf Wirtschaft und Politik in der
Region. Die Unionseinheit, welche er seit April 1861 führte,
war allerdings ein semi-deutsches Regiment.

Dr. med. Ernst Schmidt (1830 -
1900) stammte aus Bayern und hatte in Würzburg studiert. Im
Amerikanischen Bürgerkrieg diente Schmidt als Arzt im 2.
Missouri Infanterieregiment.

Heinrich Börnstein wurde am 4.
November 1805 in
Hamburg geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in
Lemberg, Galizien. Anschließend diente er in der
österreichischen Armee, aus der er 1826 aufgrund eines
Duells ausscheiden musste. Heinrich Börnstein begann ein
Medizinstudium, das er abbrach und er verdingte sich
daraufhin als Schauspieler in Wien. 1842 kam er nach Paris,
wo er sich der Journalistik zuwandte und zwei Jahre später
die demokratische Zeitschrift "Vorwärts" herausgab. 1848
gehörte Heinrich Börnstein zu den führenden Insurgenten
deutscher Demokraten in Paris. Im Ergebnis der Verfolgung
der Aufständischen in ganz Europa, emigrierte Heinrich
Börnstein nach Übersee. 1849 kam er nach Amerika. Hier gab
er kurze Zeit später die Zeitung "Der Anzeiger des Westens"
in St. Louis heraus. Als multipler Unternehmer machte
Börnstein rasch ein Vermögen. Im Amerikanischen
Bürgerkrieg diente er als Oberst der 2. Missouri Infanterie.
Später arbeitete er als US - Konsul in Hamburg und Bremen.
Nachdem er sein Vermögen völlig aufgebraucht hatte, ließ
sich Heinrich Börnstein im Jahre 1869 in Wien nieder. Heinrich Börnstein starb
hier im Jahre 1892.
Nur wenige Tage später rekrutierte der
ehemalige badische Offizier
Franz Sigel ein drittes
Infanterieregiment in Missouri, welches bald darauf als
Sigel Rifles oder Lyons Fahnenwacht bekannt wurde. Sigel
avancierte rasch zum General der Nordstaaten und fand sich
im Sommer 1862 an der Spitze eines Unionscorps wieder. Der
Major des 3. Missouri Infanterieregiment,
Joseph Conrad,
hatte bereits in der hessischen Armee gedient. Später
kommandierte er das 15. Missouri Regiment, welches ebenfalls
zum großen Teil aus eingewanderten Deutschen bestand. Joseph
Conrad erhielt im März 1865 für seine Verdienste während der
Atlanta Feldzüge den Brevet Rang eines Brigadegenerals.[iii]
Auch das 4. Missouriregiment, die so
genannten Schwarzen Jäger, formierte sich überwiegend aus
unionstreuen Deutschen und wurde von dem gelernten
Zimmermann Nicholas Schüttner kommandiert.

Nicholas Schüttner
Die Kriegsbegeisterung der Deutschen hatte
bereits im April 1861 dazu geführt, dass ihre Pflichtquote
erfüllt war. Dennoch gestattete der Kommandant des Arsenals
in St.Louis, Oberst Nathaniel Lyon, den Deutschen die Bildung von weiteren
Regimentern. Im Mai 1861 rekrutierte sich ein 5.
Infanterieregiment im Wesentlichen aus Deutschen. Zum
Befehlshaber ernannte man Oberst Karl Eberhardt Salomon, ein
ehemaliger 48er aus der Nähe von Magdeburg, der nach
Scheitern der Revolution mit seinen drei Brüdern nach
Amerika geflüchtet war. Unter den 12 Infanterieregimentern
und den zahlreichen Heimwehreinheiten, die sich alle zu
einem großen Teil aus deutschen Einwanderern formierten,
gelangten die Infanterieregimenter Nr. 12 und Nr. 17 zu
hohem Ansehen während der Feldzüge auf dem westlichen
Kriegschauplatz.

Hermann Türck wurde am 20.
September 1842 in Rostock geboren. Es ist leider nicht
bekannt, wann und unter welchen Umständen er nach Amerika
kam. Im April 1861 verpflichtete er sich als private für
drei Monate im 4. Infanterieregiment aus Missouri. Nach
Ablauf seiner Dienstzeit wechselte Türck zum 12. Regiment,
wo er am 15. August als Leutnant eingemustert wurde. In der
Schlacht bei Pea Ridge wurden ihm am 8. März 1862 beide
Augen ausgeschossen. Am 13. August 1862 erhielt Türck seine
Entlassungspapiere und reiste zurück nach Deutschland. In
Lübeck heirate er später eine englische Dame mit Vermögen,
die den blinden Hermann Türck bis zu seinem Tode pflegte.
Türck starb am 1. März 1907 in Lübeck.
Das 12. Infanterieregiment wurde von dem aus
Koblenz stammenden ehemaligen 48er
Peter Joseph Osterhaus kommandiert, der bereits im Juni
1862 zum Brigadegeneral befördert wurde und später als
Interimbefehlshaber des XV. Unionscorps während der Carolina
Feldzüge fungierte. Nach dem Ausscheiden von Oberst
Osterhaus übernahm der ehemalige preußische Offizier
Hugo
von Wangelin das Kommando über das 12. Missouriregiment. In
der Schlacht von Ringold Gap in Georgia vom 27. November
1863, wurde Wangelin so schwer verwundet, so dass ihm der
rechte Arm amputiert werden musste. Das 17. Missouri
Infanterieregiment wurde im August 1861 von Franz
Hassendeubel organisiert. Hassendeubel stammte aus der Pfalz
und war bereits seit 1844 in Amerika ansässig. Mit Ausbruch
des Amerikanischen Bürgerkrieges mobilisierte er Deutsche in
den Turnervereinen für ein Infanterieregiment. Während der
Belagerung von Vicksburg wurde Oberst Hassendeubel schwer
verletzt und starb im Juli 1863 in einem Feldhospital der
Unionsarmee.

Franz Hassendeubel wurde am 18.
Januar 1817 im pfälzischen Gemmersheim geboren. Seine
Ausbildung erhielt er in Zweibrücken. 1844 kam er gemeinsam
mit seiner Frau nach St. Louis, Missouri. Zwei Jahre später
meldete er sich als Leutnant in der Artilleriebatterie unter
Hauptmann Waldman Fischer, um anschließend im Krieg gegen
Mexiko teilzunehmen. Noch während des Krieges übernahm er
als Hauptmann das Santa Fe Bataillon. Mit Beginn des Amerikanischen
Bürgerkrieges meldete sich Hassendeubel in der 3. Missouri
Infanterie unter Franz Sigel. Kurze Zeit später übernahm er
als Oberst das 17. Regiment und diente nun unter dem
Oberkommando von General U. S. Grant. Während der Belagerung
von Vicksburg explodierte am 25. Juni 1863 eine von
Unionssoldaten angelegt Sprengladung. Oberst Hassendeubel
inspizierte den dabei ausgeworfenen Krater drei Tage später,
als plötzlich eine feindliche Handgranate ganz in seiner
Nähe zündete. Hassendeubel wurde durch die umher
fliegenden Splitter an der Lunge verletzt. Die Wunde war
tödlich. Unter großen Schmerzen starb Franz Hassendeubel am
17. Juli 1863 im Kreis seiner Familie und seiner Kameraden.

Dr. med. Joseph Spiegelhalter,
einer der bedeutendsten deutschen Ärzte während des US -
Bürgerkrieges, diente im 12. Missouri Regiment. Geboren
wurde Spiegelhalter am 6. August 1834 im württembergischen
Aberndorf. 1854 kam er nach Amerika und studierte bis 1862
am Humboldt Medical Institute. Joseph Spiegelhalter starb
hoch geehrt am 7. Juni 1907 in St. Louis, Missouri. Das Foto
zeigt ihn als Oberleutnant des 5. Missouri
Freiwilligenregiment.

Edward A. Kutzner fungierte als
Oberst des 39. Missouri Regimentes.
Der Kommandant des 41. Missouri
Infanterieregimentes war der ehemalige preußische Offizier
und Teilnehmer der Revolution von 1848/49, Joseph Weydemeyer.
Aufgrund seiner Freundschaft zu Karl Marx und seiner politischen Ansichten, die ihn
schließlich in die Reihen der utopischen Kommunisten
führten, wurde dieser bedeutende Offizier eines teilweise
aus Deutschen bestehenden Missouriregimentes weitestgehend
aus der Historiographie verdrängt. Joseph Weydemeyer starb
kurz nach Kriegsende an einer Cholera Epidemie in St.Louis.

Joseph Arnold Wilhelm Weydemeyer wurde am 2.
Februar 1818 in Münster, Westfalen, geboren. Von 1839 bis
1845 diente er als preußischer Artillerieoffizier. 1845
Redakteur der "Trier'schen Zeitung", 1846 / 47 Mitarbeiter
des "Westfälischen Dampfbootes". 1847 wurde er Mitglied des
Bundes der Kommunisten, 1848 / 49 Teilnahme an der
Revolution. 1851 emigrierte Weydemeyer über die Schweiz in
die U.S.A. Hier gab er ab 1852 die Wochenzeitung "Die
Revolution" und verschieden Arbeiten von Marx und Engels
heraus. Kurze Zeit später gründete er zusammen mit Friedrich
A. Sorge (1828 - 1906) den Proletarierbund, 1853 Gründung
des amerikanischen Arbeiterbundes, 1857 Gründung des
Kommunistischen Clubs. Im Amerikanischen Bürgerkrieg diente
Weydemeyer als Oberst in der Westarmee. Nach dem Krieg
arbeitete er fieberhaft an den Vorbereitungen zur Gründung
der National Labor Union, bis er am 20. August 1866 an
Cholera verstarb. Die Aktivitäten dieses kompromisslosen
Kommunisten mit humanistischen Visionen, haben Joseph Weydemeyer völlig zu Unrecht
weitestgehend aus der Historiographie der
bürgerlichen Darstellungen verbannt.
Neben den Infanterieregimentern, welche sich
zum großen Teil aus Deutschen zusammensetzten, meldeten sich
weitere Landsleute in Kavallerie- und Artillerieregimentern
von Missouri. Wenigstens sechs Artilleriebataillone und zwei
Kavallerieregimenter bestanden weitestgehend aus
eingewanderten Deutschen. Die Männer wurden im Wesentlichen
auf den westlichen Kriegschauplatz eingesetzt, wo sie sich
bald den Ruf als erfahrene Veteranen erkämpften. Ihr großer
Verdienst bestand allerdings darin, Missouri als strategisch
wichtigen Grenzstaat für die Union gesichert zu haben.

Maximilian Rudolph Wilhelm von Grebe
wurde am 4. August 1838 in Hildesheim geboren. Im
Amerikanischen Bürgerkrieg diente er als Hauptmann der F
Kompanie im 4. Missouri Kavallerieregiment. Grebe erhielt
später aufgrund seines tapferen Verhaltens in der Schlacht
von Jonesboro, Georgia (31. August 1864) vom Kongress die
Tapferkeitsmedaille. Er starb am 24. Dezember 1916 in Kansas
City, Missouri.

Karl W. Asmussen, ehemaliger
preußischer Offizier, diente zunächst als Hauptmann in dem
5. Missouri Kavallerieregiment. Später stieg er bis zum
Stabschef von General Oliver O. Howard auf. Asmussen wurde
1866 als Oberst ehrenhaft entlassen und starb am 20. Januar
1872 infolge seiner Verwundungen während des Krieges.
zurück
zur Übersicht
|