Unter fremder Fahne - Deutscher Adel im Amerikanischen

 

Bürgerkrieg 1861-1865.

 

Die Geschichte von Glücksrittern, Berufssoldaten, Spielern und Schuldnern, die sich durch ihre Teilnahme an einem fremden Krieg, Anerkennung und letztendlich viel Geld erhofften.

 

Nachdem im April 1861 der Bürgerkrieg in Nordamerika ausbrach und die Nation in zwei feindliche Lager zerfiel, eilten binnen kürzester Zeit Tausende von Freiwilligen auf beiden Seiten zu den Waffen. Es verwundert daher nicht, dass sich in diesem Strom patriotisch motivierter Menge eine ganze Anzahl zweifelhafter Elemente tummelten, die den Krieg als Mittel zum Zweck betrachteten und sicherlich keine moralischen Hintergründe hatten. Wie alle bislang geführten Kriege zog auch der Amerikanische Bürgerkrieg 1861 bis 1865 Berufssoldaten und Glücksritter aus aller Welt magisch an. Sie alle kamen freiwillig und boten den kriegsführenden Parteien ihre Dienste an. Unter diesen zahlreichen Freiwilligen befanden sich aber auch viele deutsche Emigranten, die sich ohne zu zögern zu den Freiwilligeneinheiten meldeten. Innerhalb der Unionsarmee bildeten sie dabei eigene Regimenter oder Verbände. Bis zum Frühjahr 1865 waren es etwa 200.000 Deutsche, die unter dem Sternenbanner der Union in den Krieg gezogen waren. Einige Namen berühmter Vertreter konnten bis zur Gegenwart überdauern. Dabei ist allerdings nur wenig über deutsche Aristokraten überliefert, die ebenfalls an diesem Konflikt teilgenommen hatten. Generell lassen sich alle europäischen Adligen, die am US- Bürgerkrieg partizipiert hatten, in vier Kategorien einteilen:

1.) Adlige (meist verarmt), die bereits vor dem US- Bürgerkrieg nach Amerika kamen und nun ungeachtet ihres Titels am Krieg teilnahmen. (oftmals in den entsprechend niederen Rängen)

2.) Adlige (meist klassisch-preußischer Militäradel), die als Glücksritter (so genannte "soldiers of fortune") gleich zu Beginn des Krieges ihre Dienste anboten bzw. in Europa angeworben wurden (so genannte "importierte Offiziere"). Ihnen ging es weitestgehend um die Teilnahme am Krieg und der damit verbundenen Reputation. Der moralische Hintergrund war oft sekundär.

3.) Adlige (meist niederer Adel), die aus Perspektivlosigkeit oder nach der fehlgeschlagenen Revolution 1848 in Deutschland Europa verließen. Viele von ihnen verzichteten auf ihren Titel bzw. wurden denobilitiert und sahen in dem amerikanischen Bürgerkrieg die Möglichkeit zur Durchsetzung der politischen und moralischen Ziele; im gewissen Sinne die " Fortführung der unvollendeten Revolution in Deutschland".

4.) Adlige, von der Regierung in Europa (Deutschland) beauftragt, das Kriegsgeschehen in Amerika zu studieren und zu dokumentieren. Hierzu dienten sie oft im Stab der Generalität als "Aide-de-camp" und nahmen häufig selbst aktiv an den Auseinandersetzungen teil.

Statistiken zufolge dienten in der Unionsarmee etwa 60 deutsche Offiziere adliger Herkunft, die konföderierte Gegenseite weist ca. ein halbes Dutzend Blaublütler auf Inwieweit hierbei Ungenauigkeiten hinsichtlich der Einmusterungsangaben auftraten lässt sich nur erahnen, aber nicht mit absoluter Sicherheit feststellen. Genauere Einblicke in Regimentslisten geben Aufschluss über weitere adlige Soldaten und Offiziere, die teilweise in den Statistiken nicht erfasst sind. Tatsächlich haben zwischen 150 und 200 deutsche Adlige in der Unionsarmee während des Bürgerkrieges gekämpft. Das allerdings bei einigen nicht der Titel sondern vielmehr die militärischen Fähigkeiten von ihren amerikanischen Offizierskollegen geschätzt wurden beweist die Tatsache, dass zwei deutsche adlige Offiziere bis zum Brigadegeneral der Unionsarmee aufstiegen. Weitere sieben Offiziere blauen Blutes schafften immerhin den Sprung zum Titular Brigadegeneral, unter ihnen sogar ein deutscher Prinz. Mehr als zwei Dutzend hatten den Rang eines Obersten inne und befehligten eigene Regimenter, in einigen Fällen auch ganze Brigaden.

 

Die Situation im Norden

... bot zunächst den Freiwilligen eine gewisse finanzielle und materielle Absicherung. Anfänglich wurde der Sold regelmäßig gezahlt und die Soldaten kriegsgerecht ausgestattet.

Eine Vielzahl deutscher Offiziere meldeten sich in den Rekrutierungsbüros, um ihre Dienste der Union anzubieten. Das Auftreten insbesondere der adligen Aspiranten reichte schließlich von der bescheidenen Einmusterung als gemeiner Soldat bis hin zur Forderung nach horrender Besoldung, sowie einem adäquaten Rang als Offizier.

Häufig erschienen fragwürdige Personen in den Büros, die mit geradezu abenteuerlichen Lebensläufen und der Vorlage zweifelhafter Dokumente, sich als Offiziere in der Armee wieder zu finden hofften.

Grundsätzliches Problem aller deutschen Soldaten und Offiziere, die erst unmittelbar vor Ausbruch des amerikanischen Bürgerkrieges nach Amerika gekommen waren, stellte die englische Sprache dar. Speziell die adligen Offiziere verfügten über ein Minimum an Kenntnissen, die allerdings in Führungspositionen der Armee unerlässlich waren. Zwangsläufig musste das zu Schwierigkeiten mit den amerikanischen Offizieren führen, welche die miserablen Sprachkenntnisse der Deutschen natürlich mit deren militärischen Fähigkeiten gleichsetzten. Im Verlaufe des Krieges entwickelten sich insbesondere auf der Unionsseite zwei inhomogene Lager, deren Spannungen sich in nativistischen Reaktionen in Politik und Presse entluden. Dieser äußerst sensibler Aspekt des amerikanischen Bürgerkrieges findet erfreulicherweise gegenwärtig seine sukzessive Aufarbeitung durch vorrangig amerikanische Historiker.

Vielleicht entgegen allen Vermutungen konnte der amerikanische Soldat des Bürgerkrieges den adligen Attributen wie Graf oder Baron keine Bedeutung beimessen. Abgesehen davon, dass die deutschen Soldaten bei ihren amerikanischen Kameraden im allgemeinen unter einem schlechten Ruf leiden mussten, wurden adlige Kommandeure als das angesehen was sie waren: Offiziere. Einer Anekdote zufolge soll Präsident Abraham Lincoln auf den Hinweis, dass es sich bei Felix Salm- Salm um einen deutschen Prinzen handelte, geantwortet haben: "Nun, das soll Ihnen bei uns nicht schaden."

General George B. McClellan inmitten seiner Offiziere. Ganz links steht Oberstleutnant Paul von Radowitz, ehemaliger Offizier der Garde du Corps und Sohn des preußischen Kriegsministers.

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In einer ganz besonders auffälligen Art und Weise versammelte ein deutscher "Glücksritter" zahlreiche Adlige in seinen Stab. Oberst Ludwig Blenker, ein so genannter 48er aus Worms, hatte bereits in Griechenland als Söldner gedient und suchte nun mit Ausbruch des amerikanischen Bürgerkrieges eine neue Herausforderung und Einnahmequelle. Obwohl die erste Schlacht von Bull Run eine Niederlage für die Union war, erregte Blenker das Aufsehen seiner Vorgesetzten, so dass er bald darauf zum Brigadegeneral ernannt wurde. Unter der Protektion seines Ziehvaters, Generalmajor George B. McClellan, Oberbefehlshaber der Unionstruppen und selbst glühender Verehrer des preußischen Militärcorps, konnte Blenker eine deutsche Division in einer Stärke von etwa 10 000 Mann bilden, deren Reihen ausnahmslos europäische Einwanderer füllten. "Blenkers Division war etwas ganz Besonderes. Wenn es zu Stolz, Pomp und kriegerischen Ehren kam überstrahlte sie alle übrigen Divisionen. Im Exerzieren und Zuschautragen soldatischer Haltung war die Division ausgezeichnet, da alle Offiziere und wahrscheinlich auch alle Soldaten in Europa gedient hatten. Ich habe es immer bedauert, dass man mir diese Division wegnahm." (Längin 1998: 86), schwärmte McClellan Jahre später in seinen Kriegserinnerungen. Blenker, der einer verschwenderischen Neigung unterlag, beeindruckte anfänglich durch straffen preußischen Drill, Phantasieuniformen, die während Paraden getragen wurden und nicht zuletzt durch die Zusammensetzung seines Stabes. Hier fand man so illustre Namen wie Major Anton von Püchelstein (*1815), ehemals preußischer Offizier, der im Verlauf des Bürgerkrieges ein Kavallerieregiment aus New York befehligen sollte. Otto von Corvin-Wiersbietzkie hatte in Deutschland als preußischer Offizier gedient und später in der Revolution 1848/49 gekämpft. Nachdem er daraufhin einige Jahre in Festungshaft verbringen musste, erreichte er 1861 Amerika. Den Rang eines Titular Oberst führend, gehörte er dem Stab General Blenkers an, mit dem er persönlich gut befreundet war. 1863 offerierte er Präsident Lincoln seine Pläne zur Anwerbung von 20.000 Soldaten in Deutschland, um die Unionsarmee zu unterstützen. Die Vorschläge Corvins wurden allerdings im Kabinett abgelehnt. Otto von Corvin kehrte 1867 nach Deutschland zurück, arbeitet als Berichterstatter während des Deutsch-Französischen Krieges und starb 1886.

Otto von Corvin wurde am 12. Oktober 1812 als Otto Julius Bernhard von Corvin - Wiersbitzki in Gumbinnen, Ostpreußen, geboren. Der Sohn eines Postdirektors und preußischen Major a. D. kam in jungen Jahren an die Kadettenschule nach Potsdam und Berlin. Ab 1830 war er als preußischer Leutnant abwechselnd in Mainz und Saarlouis stationiert. 1835 quittierte Otto von Corvin den Dienst und ließ sich als Schriftsteller in Frankfurt am Main nieder. Fünf Jahre später zog er nach Leipzig um. Mit großer Begeisterung beteiligte er sich an der Revolution von 1848. Mit der Niederringung wurde er am 15. September 1849 zum Tode verurteilt. Glücklicherweise konnte das Urteil in eine sechsjährige Haftstrafe in Bruchsal umgewandelt werden. 1855 reiste Corvin als Schriftsteller nach England. 1861 entsandte ihn sein Auftraggeber, die Augsburger Allgemeine Zeitung, nach New York. Als Sonderbeauftragter nahm Corvin im Rang eines US - Oberst am Amerikanischen Bürgerkrieg teil und berichtete hier überwiegend für deutschsprachige Zeitungen. 1867 kehrte Otto von Corvin nach Deutschland zurück. 1870/71 reiste er erneut als Kriegsberichterstatter nach Frankreich und schrieb hier für die "Neue Freie Presse". 1874 ließ er sich in Wertheim nieder. Später lebte er zeitweise wieder in Leipzig. Otto von Corvin - Wiersbitzki starb am 1. März 1886 in Wiesbaden. Bekannt wurde er insbesondere durch sein berühmtes Werk "Pfaffenspiegel. Historische Denkmale des Fanatismus in der römisch - katholischen Kirche", indem er u. a. entschlossen mit der verbrecherischen Inquisition im Namen Gottes abrechnete.

Die vielleicht schillerndste Persönlichkeit, die dem Blenker'schen Stab angehörte, war der deutsche Prinz Felix Konstantin A. J. N. Salm- Salm. 1828 in Westfalen geboren, diente er später in der preußischen Armee. Nach seiner Teilnahme am Schleswig- Holstein Krieg, wurde ihm vom preußischen König ein "Ehrenschwert" für die Verdienste in den Schlachten verliehen. Später schloss sich der Prinz der österreichischen Armee an. Aufgrund seines großzügigen Lebensstils verschuldete sich Prinz Salm derart, dass er die Flucht nach Amerika wagte. Gleich nach Ausbruch des Bürgerkrieges meldete er sich zur Unionsarmee und erhielt auf Betreiben des deutschen Konsuls eine Anstellung im Stab Blenkers. Nachdem diese "deutsche" Division aufgelöst wurde, fand sich der Prinz an der Spitze des aus deutschen Einwanderern gebildeten 8. New York Infanterieregimentes wieder. Maßgeblichen Anteil an dieser Beförderung hatte hierbei seine mondäne Gemahlin Agnes, die ihren Gatten den ganzen Krieg hindurch begleitet hatte und mehr als einmal den Werdegang des Prinzen bestimmte.

Nachdem der Prinz das 8. NY Volunteer Reg. übernommen hatte, resignierten einige Offiziere des Regimentes - darunter auch der adlige Hauptmann Gustav von Struve - da sie nicht unter dem Kommando eines deutschen Prinzen dienen wollten. Struve selbst war aktiver Teilnehmer an der fehlgeschlagenen Revolution in Deutschland von 1848 gewesen und hatte im Ergebnis dazu auf seinen Titel verzichtet. Nachdem er nach Amerika ausgewandert war, diente er mit Ausbruch des Bürgerkrieges im 8. New York Reg. und kehrte 1863, nachdem der Prinz als Oberst das Regiment führte, enttäuscht nach Deutschland zurück. Unberücksichtigt der Schwierigkeiten, denen sich deutsche Soldaten in der Unionsarmee gegenübersahen, hatten sich adlige Offiziere in deutschen Einheiten einer besonders stark ausgeprägten Abneigung ihrer Untergebenen zu erwehren. Gerade ehemalige Revolutionäre, so genannte "48er" empfanden es als unerträglich, in einem fremden Land unter das Kommando adliger Offiziere treten zu müssen. Insbesondere der Stab General Blenkers gab Anlas zu dieser ablehnenden Haltung der Demokraten. Die Offiziere ließen die Soldaten während des Drills die Herkunftsunterschiede deutlich spüren. Pompöse Offiziersbälle und regelrechte Saufgelage taten ein weiteres, um die vorherrschende Antipathie in den Mannschaften weiter zu verstärken. Auf der anderen Seite genossen adlige Offiziere, die bereits an den Aufständen in Deutschland partizipiert hatten oder sich durch militärische Fähigkeiten während des Bürgerkrieges auszeichnen sollten, das nahezu grenzenlose Vertrauen ihrer Untergebenen. Von ihnen wird später noch die Rede sein.

Gustav von Struve war der Sohn einer alten baltischen Adelsfamilie und wurde am 11. Oktober 1805 in München geboren. Struve studierte Jura in Göttingen und Heidelberg und schloss sich 1848 den revolutionären Ausschreitungen an. Vor dem nationalen revolutionären Aufbegehren hatte er als Advokat in Mannheim gearbeitet und bereits als von 1845 bis 1846 als Redakteur des oppositionellen "Mannheimer Journals" gewirkt. Als Demokrat legte Struve seinen Adelstitel ab. 1851 emigrierte er nach Amerika und verdingte sich als Journalist. Am 23. April 1861 verpflichtete er sich als Leutnant für zwei Jahre im 8. New Yorker Regiment. Bereits am 14. September des gleichen Jahres erhielt Struve seine Beförderung zum Hauptmann der D Kompanie. Nach der Übernahme des Regimentes durch den deutschen Prinzen Salm - Salm am 26. November 1862 protestierten Struve und einige weitere Offiziere gegen den neuen Kommandeur. Gustav Struve hatte bereits am 23. November seinen Rücktritt eingereicht. Noch im selben Jahr reiste er zurück nach Europa und verstarb am 21. August 1870 in Wien.

Der Prinz Salm, der immer wieder durch Spielschulden und Intrigen seiner Frau von sich Reden machte, beendete den Bürgerkrieg als Brevet Brigadegeneral, einem Titular Generalsrang. Ständig auf der Suche nach weiteren Herausforderungen und unter dem Druck finanzieller Nöte, reiste er 1865 nach Mexiko, um hier den von Frankreich eingesetzten Kaiser Maximilian seine Dienste anzubieten. Nach dem Sturz des Monarchen und dessen Erschießung im Jahr 1867 verließen der Prinz und dessen Frau Mexiko und kehrten nach Deutschland zurück. Drei Jahre später, im August 1870, fiel der Prinz als Bataillons Kommandeur eines preußischen Garde Grenadierregiments im Krieg gegen Frankreich.

Felix Konstantin Alexander Johann Nepomuk Prinz zu Salm - Salm (1828 - 1870)

Neben dem Prinzen Salm dienten zahlreiche deutsche Adlige als Kommandeure in der Unionsarmee. Der Staat New York rekrutierte für den Krieg 10 reindeutsche Infanterieregimenter sowie weitere fünf teilweise aus deutschen Einwanderern gebildeten Regimenter. Darüber hinaus kamen 6 Artilleriebataillone sowie 2 hauptsächlich aus Deutschen bestehende Kavallerieregimenter zum Einsatz. Wenigstens 10 deutsche adlige Offiziere standen als Oberste bzw. Brigadegenerale an der Spitze deutscher Regimenter, die für den Erhalt der Union in den Krieg zogen.

Baron Adolf von Steinwehr, ein ehemaliger preußischer Offizier aus Blankenburg im Harz, kam bereits 1847 nach Amerika und diente ein Jahr später im Krieg gegen Mexiko. Mit Ende dieses Krieges arbeitete er nur kurze Zeit als Topograph, um anschließend für fünf Jahre nach Deutschland zu reisen. 1854 kehrte von Steinwehr mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten zurück, und ließ sich als Farmer in Connecticut nieder. Mit Beginn des Bürgerkrieges 1861 folgte er seiner eigentlichen Profession und organisierte das 29. New Yorker Infanterieregiment, das ausschließlich aus deutschen Soldaten bestand. Von Steinwehr nahm an allen wesentlichen Feldzügen und Schlachten teil, diente in der Division Blenker und übernahm nach der Auflösung der Division als General eine Brigade im neu gegründeten XI. Unionscorps. Das XI. Corps, welches zur Hälfte (13 Regimenter) aus europäischen Einwanderern bestand, geriet mehrfach außerhalb der blutigen Schlachtfelder in das Kreuzfeuer der Unionspresse, die mit viel Nativismus angereichert, eine regelrechte Hetzkampagne gegen die "coward Dutchmen" (soll bedeuten: "feigen Deutschen") entfachten. Adolf von Steinwehr schied im Juli 1865 aus der Armee, arbeitete als Kartograph, lehrte zeitweise an der Universität in Yale und starb 1877 im Alter von nur 54 Jahren in Buffalo, New York.

Der Stab des Obersten Ludwig Blenker (steht ganz links). A: Otto von Corwin. B: Gustav Struve

Der ehemalige preußische Offizier und Teilnehmer an der Revolution in Deutschland Leopold von Gilsa flüchtete Anfang der 1850er Jahre nach Amerika. Es gelang ihm nicht wie vielen anderen 48er, in der Neuen Welt erfolgreich Fuß zu fassen. Jahrelang musste er sich als Barpianist in den Kneipen von New York mühsam seinen Lebensunterhalt verdienen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass von Gilsa sich zu Beginn des Bürgerkrieges sofort zur Unionsarmee meldete und als Oberst das 4l. NY Regiment (das sogenannte de Kalb Regiment) kommandierte. Leopold von Gilsa gehörte zu den herausragenden adligen Offizieren und nahm unter anderem an den Schlachten von Bull Run, Chancellorsville und Gettysburg teil. Von Gilsa galt als temperamentvoll und legte sich mehrfach mit seinen Vorgesetzten an, was vielleicht dazu geführt haben mag, dass er nie befördert wurde. Enttäuscht nahm von Gilsa 1865 seinen Abschied und starb 1870 in Vergessenheit.

Ein weiterer Teilnehmer der Revolution von 1848 der später seinen Weg nach Amerika finden sollte, war George von Amsberg. 1821 in Hildesheim geboren, diente er später in der österreichischen Armee, wo er eine Husaren Kompanie befehligte. Nach der Niederschlagung der demokratischen Unruhen emigrierte von Amsberg nach Amerika. Mit Ausbruch des Bürgerkrieges diente er als Oberst des 45. NY Infanterieregimentes in der Division Blenker. Das Regiment bestand wesentlich aus Norddeutschen und wurde während des Krieges als "German Rifles No. 5" oder "Plattdeutsches Regiment" bekannt. Von Amsberg zählte zu den weniger auffälligen adligen Offizieren. Er schied 1865 ohne Beförderung aus dem aktiven Dienst und verdiente danach sein Geld als Reitlehrer.

Georg Karl Heinrich Wilhelm von Amsberg wurde am 24. Juni 1821 in Hildesheim geboren. Nach seiner militärischen Ausbildung diente er in der preußischen und später in der österreichischen Armee, bis er sich 1848 den Insurgenten in Ungarn anschloss. Nach der blutigen Niederschlagung flüchtete von Amsberg in die U.S.A. und verdiente sein Geld als Reitlehrer in Hoboken. Am 1. Mai 1861 wurde er als Major für drei Monate in der 5. New Yorker Staatsmiliz eingemustert. Am 7. Oktober des gleichen Jahres übernahm er das Kommando über das 45. New Yorker Regiment. Ab Juli 1862 fungierte von Amsberg als Brigadekommandeur im I. und später im XI. Unionscorps. Am 22. Januar 1864 wurde Georg von Amsberg aufgrund chronischen Asthmas im Rang eines Obersten ausgemustert. Eine Beförderung gab es für ihn nicht. Nach dem Krieg unterhielt von Amsberg ein Hotel. Georg von Amsberg starb am 21. November 1876 in Hoboken, New Jersey.

 Auch das deutsche 46. New York Infanterieregiment, das sogenannte "Fremont Regiment" wurde von einem adligen Offizier befehligt. Rudolf von Rosa stammte aus Schlesien und hatte als preußischer Offizier im Ingenieurcorps gedient. Auch er musste nach seiner Teilnahme an der Revolution 1848 Deutschland verlassen und traf 1850 in New York ein. Vor dem Krieg arbeitete von Rosa als Ingenieur in Washington. Während des Bürgerkrieges führte er erfolgreich das 46th NY Regiment und wurde 1862 schwer verletzt. Von Rosa musste das Schicksal vieler deutscher Offiziere teilen: 1865 nahm er, ohne jemals befördert worden zu sein seinen Abschied und arbeitete bis zu seinem Tod als Ingenieur in New York.

Rudolf von Rosa, schlesischer Edelmann und spätere preußischer Offizier, wurde am 5. Februar 1824 in Schlesien geboren. Er beteiligte sich an der Revolution von 1848 und kam zwei Jahre später nach Amerika. Vor dem Krieg arbeitete er als Küstenvermesser. Am 16. September 1861 übernahm er das Kommando über das 46. New Yorker Regiment. Am 17. Dezember 1862 nahm Oberst von Rosa seinen Abschied aufgrund eines Oberschenkeldurchschusses, den er in der Schlacht von Groveton (Second Bull Run) am 29. August 1862 erhalten hatte. Rudolf von Rosa arbeitete nach dem Krieg als Vermesser, Gutachter und Ingenieur für verschiedene Auftraggeber. Er starb am 29. Juni 1901 in Brooklyn, New York.

Nicht alle adligen Offiziere hatten auf Grund politischen Aktivitäten ihre Heimat verlassen. Georg W. von Schack, ein ehemaliger preußischer Kavalleriehauptmann, meldete sich aus purer Abenteuerlust zur Unionsarmee. Bereits im Februar 1862 wurde er zum Oberst des deutschen 7. New York Infanterieregimentes befördert und führte die Einheit mit außerordentlicher Tapferkeit in den Schlachten von Antietam und Fredericksburg. Auf Grund seiner Verdienste im März 1865 zum Brevet Brigadegeneral ernannt, blieb Georg von Schack bis August des Jahres in der Armee. Viel interessanter scheinen die Jahre nach dem Krieg für ihn gewesen sein. Obwohl er in die preußische Armee zurückkehren sollte, blieb er in den Vereinigten Staaten und soll Berichten zufolge durch das Austeilen von Zeitungen das Anrecht auf amerikanische Staatsbürgerschaft erworben haben. Später arbeitet von Schack als Zollbeamter und starb 1909 in New York. Auch das letzte so genannte deutsche Regiment, das 103. NY Infanterie Regiment wurde von einem adligen Offizier kommandiert. Baron Frederick W. von Egloffstein stammte aus Bayern, wo er 1824 in Altdorf zur Welt kam. Er diente als Genieoffizier in der bayerischen Armee und wanderte später nach Amerika aus. Hier arbeitete er bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges als Vermessungsingenieur. Im März 1862 formierte er das 103rd NY Regiment, das durch eine Elitekompanie, welche nur aus deutschen Offizieren bestand, innerhalb der Unionsarmee regelrechte Berühmtheit erlangte. Der Baron wurde in den folgenden Feldzügen mehrfach verwundet, so dass er seinen Dienst noch vor Kriegsende quittieren musste. Dennoch wurde von Egloffstein aufgrund seiner Verdienste im März 1865 zum Brevet Brigadegeneral ernannt. Nach dem Krieg reiste er nach Deutschland zurück, wo er sich in Dresden als Graveur niederließ und im Februar 1885 verstarb. Der Bundesstaat New York, der quantitativ die meisten deutschen Regimenter in den Krieg schickte, hatte auch die meisten Verluste zu beklagen. Als im Mai 1864 in den dichten Wäldern von Spotsylvania, Virginia, erbitterte Gefechte geführt wurden, fanden zwei adlige Offiziere des 52. NY Regimentes den Tod an der Spitze ihrer Einheiten: Graf Hermann von Haake (*1832) sowie sein Freund Baron Otto von Steuben, ein indirekter Nachfahre des berühmten deutschen Drillmeisters der amerikanischen Revolutionsarmee.

Blenker mit seinem Offiziersstab. A: Prinz Felix Salm - Salm. B: Gustav Struve.

Pennsylvania, ein traditionell bevorzugtes Ziel deutscher Auswanderer, rekrutierte fünf deutsche Regimenter, von denen zwei zeitweise von adligen Offizieren kommandiert wurden. Alexander von Schimmelfennig, ein ehemaliger preußischer Offizier, flüchtete nach seiner Teilnahme an den Unruhen von 1848 nach Amerika und übernahm zu Beginn des Bürgerkrieges das 74. PA Infanterie Regiment. Nachdem von Schimmelfennig zum Brigadegeneral avanciert war übernahm Adolf von Hartung temporär die Einheit. Von Hartung hatte in Deutschland als sächsischer Offizier gedient und während der Revolution zusammen mit Alexander von Schimmelfennig gekämpft. Mit Ausbruch des amerikanischen Bürgerkrieges fanden sich diese beiden "Berufsrevolutionäre" wieder vereint an der Spitze eines deutschen Unionsregimentes.

In Ohio war die Situation ähnlich. Auch hier wurden zahlreiche deutsche Regimenter gebildet, die unter deutschen Befehlshabern an den Kämpfen teilnahmen. Ludwig von Blessing, der 1829 auf Rügen geboren worden war und als preußischer Offizier gedient hatte, führte nun in der Auseinandersetzung zwischen Nord und Süd das 37. Ohio Infanterie Regiment. Dabei zeichnete er sich während der Schlachten von Vicksburg und Chattanooga derart aus, dass er am 13. März 1865 mit dem Titular Rang eines Brigadegeneral belohnt wurde.

Adolph von Haake meldete sich als private im 68. New Yorker Regiment. 1862 wurde von Haake zum Hauptmann befördert. Bei Gettysburg wurde er gefangen genommen und später ausgetauscht. Im November 1863 wurde seine Beförderung zum Major wieder rückgängig gemacht.

Einen ebenfalls ausgezeichneten Ruf hatte der aus Braunschweig stammende Alexander von Schrader. Nachdem er die Offiziersschule absolviert hatte, diente er als Leutnant in der Leibgarde des Herzogs. 1852 wanderte von Schrader nach Amerika aus. Hier ereilte den Berufssoldaten das gleiche Schicksal wie vieler Leidensgenossen, die praktisch ohne Sprachkenntnisse und finanzielle Voraussetzungen den Sprung in die neue Welt wagten: sie gerieten in eine regelrechte Verarmung. Erst der Bürgerkrieg 1861 schuf für diese Außenseiter neue Möglichkeiten. Alexander von Schrader ist hier wohl ein Paradebeispiel. Als stellvertretender Kommandeur der 74. Ohio Infanterie bewährte er sich während der Feldzüge und zeichnete sich insbesondere in den Schlachten von Corinth und Chickamauga aus. Im März 1865 wurde er durch den allgemeinen Erlass der US Regierung zum Brevet Brigadegeneral befördert. Von Schrader wurde nach Kriegsende von der regulären Armee übernommen, starb allerdings 1867, nur 45jährig in New Orleans, LA.

Aber auch in anderen Waffengattungen der Unionsarmee dienten zahlreiche deutsche Emigranten, unter ihnen adlige Offiziere. So finden sich in den Einmusterungsunterlagen der New Yorker Artilleriebataillone Namen wie Alfred von Kleiser, Adelbert von Morozowek und Albert von Puttkammer, die allesamt als Bataillonskommandeure selbständig Einheiten führten. Die amerikanische Artillerie profitierte sehr von den Erfahrungen deutscher Offiziere, zumal der Einsatz dieser Waffengattung während des Bürgerkrieges immer mehr an Bedeutung gewann.

Leopold von Seldeneck wurde 1826 in Deutschland geboren. Im Februar 1862 wurde er als Leutnant im 103. New Yorker Regiment eingemustert und bereits drei Monate später bei Haughton's Mills, North Carolina, verwundet. 1863 erhielt von Seldeneck seine Beförderung zum Hauptmann im Regiment.

Die sicherlich größte Faszination- zumindest bei der Zivilbevölkerung jener Zeit - übte eine Waffengattung aus, die sich seit eh und je mit dem Nimbus von Ritterlichkeit und Abenteurertum umgab: Die Kavallerie. Leider war die Unionskavallerie zu Beginn des Bürgerkrieges absolut unterentwickelt und litt im allgemeinen unter einem schlechten Ruf. Gerade im Norden waren die Voraussetzungen zur Bildung einer effektiven Kavallerie äußerst schlecht. Nur wenige der Freiwilligen waren im Umgang mit Pferden gut geübt. Um so mehr mussten hauptsächlich die ehemaligen preußischen Kavallerieoffiziere die Unionsreiterei als Spielfeld und Experimentiermöglichkeit betrachtet haben. Trotz aller Widerstände maß man im Verlauf des Krieges dieser Waffengattung eine gewisse Bedeutung bei und nicht umsonst war das erste Regiment, das der wohl berühmteste Deutschamerikaner, Carl Schurz, aus Freiwilligen rekrutierte, ein Kavallerieregiment. Bereits im April 1861 wurde das 1. New York ( Lincoln ) Cavalry Reg. eingemustert und als Oberstleutnant Friedrich von Schickfuß eingesetzt. Oberst Gustav von Deutsch kommandierte das 4. Missouri Kavallerie Reg., das teilweise aus deutschen Reitern bestand. Oberst Gustav von Hellmrich, ein ehemaliger preußischer Offizier, führte die 5. MO Kavallerie, wurde in den Kämpfen um Atlanta, GA., verwundet und gefangen genommen und starb schließlich 1865 an den Verletzungen und Strapazen der Feldzüge. Ein direkter Vorfahre des Bundeswehrgenerals und ehemaligen NATO Befehlshaber Graf Johann A. von Kielmannsegg, diente in mehreren Unionskavallerieregimentern und fiel, zuletzt als Oberst die 1. Maryland Cavalry kommandierend 1864 in einer der Schlachten in der Wilderness.

Baron Friedrich Otto von Fritsch wurde am 28. September 1834 in Weimar als ältester Sohn des Reichsfreiherrn von Fritsch geboren. Nach Privatunterricht kam er mit 11 Jahren an die erweiterte Schule in Grimma. Hier erhielt er eine ausgezeichnete Ausbildung, unter anderem erlernte er Griechisch, Latein, Französisch, Italienisch und Englisch. Mit 13 besuchte der Baron die Militärakademie in Dresden. Vier Jahre später erhielt er sein Offizierspatent und wurde als Leutnant von der königlich sächsischen Kavallerie übernommen. Im Winter 1856 nahm er seinen Abschied und reiste nach Amerika. Bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges verdiente er seinen Unterhalt mit Übersetzungen, 1858 erhielt der Baron sogar eine Professur für moderne Sprachen in Princeton, New Jersey. 1860 reiste Baron von Fritsch nach Mexiko, um seine Spanischkenntnisse zu vertiefen und geriet dabei mitten in revolutionäre Unruhen der damaligen Zeit. Mit dem Eintreffen der Franzosen bot er der Armee seine Dienste an und erhielt ein Patent als Oberst. Während eines Scharmützels am 14. September 1862 wurde sein Pferd unter ihm erschossen und der Baron geriet in Gefangenschaft. Nur aufgrund der beherzten Intervention eines übergelaufenen französischen Obersten, wurde das Leben des Barons geschont. Unverzüglich reiste er über Kuba zurück nach Amerika, wo mittlerweile ein blutiger Bürgerkrieg die Nation auf die Probe stellte. Durch den Einfluss des zwiespältigen österreichischen Abenteurers Gotthilf von Bourry de Ivernois, erlangte Baron von Fritsch den Rang eines Oberleutnants im 68. New Yorker Regiment. Nach der Schlacht von Chancellorsville, wo er verwundet wurde, erhielt er am 1. Juni 1863 seine Beförderung zum Hauptmann. Später verließ er enttäuscht das 68er Regiment, nachdem er erfahren hatte, dass Oberst de Ivernois ein Trinker war und keinerlei militärische Ausbildung genossen hatte. Zufällig begegnete der Baron General Schimmelfennig, der ihn die Stelle eines Stabsoffiziers anbot. Am 30. November 1865 wurde Hauptmann von Fritsch in Fort Pulaski, Georgia, ehrenvoll aus dem Dienst der Unionsarmee verabschiedet. Baron von Fritsch schrieb im Jahre 1902 seine Erlebnisse während des Krieges nieder. Sein Buch "A Galant Captain of the Civil War", London 1902, gehört zweifelsfrei trotz einiger romantisierender Darstellungen, zu den wertvollsten Augenzeugenberichten der Ereignisse von 1861 bis 1865.

Mit der Kapitulation von Appomattox Court House 1865 und der Niederlage der Konföderation endete für die meisten deutschen Offiziere ein weiteres militärisches Kapitel in ihrer Laufbahn. Die Erfahrungen, die während der Feldzüge gemacht wurden, versuchten eine ganze Anzahl von Veteranen mehr oder weniger erfolgreich nieder zu schreiben und für die Nachwelt zu erhalten. Eine berühmte Ausnahme war der deutsche Graf Ferdinand von Zeppelin, der 1863 nach Amerika gekommen war, um die Kriegsereignisse auf Unionsseite zu dokumentieren. Hierbei holte er sich technische Anregungen von den Heißluftballons, die zu Aufklärungszwecken mit wechselhaftem Erfolg eingesetzt wurden. Nachdem von Zeppelin nach Deutschland zurückgekehrt war, schrieb er mehrere Aufsätze über den Konflikt jenseits des Atlantik, hielt militärische Vorträge vor der Generalität in Deutschland und entwickelte das berühmte Luftschiff, das später seinen Namen tragen sollte.

Ferdinand Graf von Zeppelin wurde am 8. Juli 1838 in Konstanz geboren. 1863 kam er nach Amerika, um Kriegserfahrungen zu sammeln. Er gilt als einer der bedeutenden Luftschiffkonstrukteure. Graf Zeppelin starb am 8. März 1917 in Berlin.

Tatsächlich gerieten die Taten der Deutschen, die im Bürgerkrieg aus welcher Motivation auch immer für die Union gekämpft hatten, bald in Vergessenheit. Eine starke Lobby von Deutschamerikanern versuchte verzweifelt in ihrer neuen Heimat das Erbe von der Teilnahme am Civil War aufrecht zu erhalten. Aber spätestens mit dem Tod des letzten deutschen Bürgerkriegveteranen erloschen auch die Informationen aus erster Hand. Alle weiteren Versuche diesen ethnischen Aspekt wahrheitsgemäß darzustellen, endeten meist in tendenziös verfassten Ungenauigkeiten und Halbwahrheiten. Mangelndes Interesse in der Öffentlichkeit trugen ebenfalls dazu bei, dass die Taten deutscher Emigranten in Amerika zunehmend in Vergessenheit gerieten.

Graf Zeppelin inmitten einiger Unionsoffiziere 1863.

 

Vergleichbar war die Situation im Süden 

 

 ...wenngleich eine wesentlich geringere Anzahl europäischer Einwanderer in den Reihen der Konföderation diente. Ausgehend von einer Soldatenzahl von etwa 900.000 Mann, die zwischen 1861 und 1865 in der Armee der Südstaaten in den Krieg zogen, erweist sich die deutsche Beteiligung mit ca. 1% als recht dürftig. Ähnlich wie in der Union, versuchten einige deutsche Kriegsteilnehmer ihre Erlebnisse zu publizieren. Erschwerend kam zu der Tatsache, dass sie zu den Verlieren des Bürgerkrieges zählten das Problem hinzu, sich durch eine Veröffentlichung von Kriegstagebüchern Fragen nach ihrer moralischen Motivation stellen lassen zu müssen. Viele beschränkten sich ausschließlich auf die Beschreibung der militärischen Ereignisse, andere wiederum ließen konzise Rechtfertigungen ihrer Teilnahme am Krieg auf Seiten der Konföderation parenthetisch in den Text einfließen. Dadurch änderte sich am Erkenntnisstand des Lesers überhaupt nichts, gab ihm aber die Möglichkeit, in alle erdenklichen Richtungen interpretieren zu können. Der sicherlich berühmteste Vertreter des deutschen Adels, der mit Feder und Schwert gleichermaßen umzugehen wusste war Johann Heinrich Heros von Borcke. Er verstrickte sich in keine widersprüchlichen Aussagen zum Sklavenproblem in den Südstaaten, sondern zahlreiche Schlachten und kühne Raids der konföderierten Kavallerie stehen im Mittelpunkt seiner Reminiszenzen.

1835 in Ehrenbreitstein als Sohn eines preußischen Offiziers geboren, absolvierte er 1853 eine Militärschule in Halle und trat anschließend in das Garde Kürassier Regiment ein, wo er 2 Jahre später zum Leutnant befördert wurde. Nach einem längeren Aufenthalt in Frankreich kehrte von Borke nach Deutschland zurück und meldete sich in einem Brandenburgischen Dragoner Regiment. Als der Bürgerkrieg in Nordamerika ausbrach und mit viel Verspätung auch militärische Information nach Europa gelangte, erwachte in dem jungen Offizier das Interesse an diesem transatlantischen Konflikt. Anfang 1862 nahm von Borcke seinen Abschied, schiffte sich im April in Irland ein und erreichte 3 Wochen später eine vorgelagerte Bahamainsel. Durch diesen Umweg konnte man die bestehende Seeblockade seitens der Union umgehen. Nachdem ihm in Richmond, Va., die erforderlichen Papiere ausgestellt worden waren, meldete sich Heros von Borcke umgehend zur Kavallerie unter General J.E.B. Stuart. Stuart, ein schneidiger Kavallerist, der zu Beginn des Krieges seinen Dienst in der Unionsarmee quittiert hatte, war zum damaligen Zeitpunkt auf dem besten Wege, sich zur (noch) lebenden Legende zu entwickeln. Heros von Borcke, der als Stabschef unter ihm diente und im Laufe der Zeit eine innige Freundschaft zu ihm entwickelte, hatte einen wesentlichen Anteil an dem Mythos, der sich mit der Gestalt General Jeb Stuart verbinden sollte. Im Juni 1864 wurde von Borke während der Schlacht von Middleton schwer verwundet. Tagelang war unklar, ob er diese Verletzung überleben würde. Schließlich stand fest, dass ihm ein weiterer aktiver Dienst nicht mehr möglich sei. Im Januar 1864 wurde Heros von Borcke mit einem Verdienstschreiben des Kongresses der Konföderation geehrt. Bereits im Mai war er Zeuge, als der von ihm bewunderte General Stuart durch eine Verletzung bei Yellow Tavern aus dem Leben schied. Gleichzeitig markierte dieses Ereignis von Borckes militärischen Abschied sowie das Ende seiner später publizierten Kriegserinnerungen. Ende 1864 wurde Heros von Borke zum Oberst der konföderierten Armee befördert und als Gesandter in politischer Mission nach England geschickt. Selbst nach Kriegsende und Kapitulation agierte er hier im Auftrag der Konföderation. Doch mit Beginn eines neuen Konfliktes 1866 zwischen Deutschland und Österreich zog von Borke, seinem Beruf folgend, als Leutnant eines Dragoner Regiments in den Krieg. Aufgrund seiner schweren Verwundung während des amerikanischen Bürgerkrieges war eine weitere militärische Karriere danach unmöglich, so dass sich von Borcke auf seine Länderein in der Neumark zurückzog.

Im Mai 1884 kam es noch einmal zu einem Höhepunkt in seinem Leben. Auf Einladung alter Bürgerkriegsveteranen reiste er nach Amerika. Hier wurde ihm ein glänzender Empfang bereitet und in zahlreichen Veranstaltungen das Erbe der Konföderation gefeiert. Keine Worte der Reue, kein Versuch einer kritischen Selbstaufarbeitung der Vergangenheit, die Schuldzuweisung lag eindeutig auf Seiten der Union. Heros von Borcke, Berufssoldat, Söldner und Glücksritter war ein fester Bestandteil dieser zweifelhaften memorial days. Im August 1884 reiste Heros von Borcke nach Deutschland zurück. Während der zurückliegenden Monate hatten die Feierlichkeiten und Begegnungen mit Veteranen dazu geführt, den gesamten Amerikanischen Bürgerkrieg nochmals zu durchleben. Auf Drängen seiner Freunde in Deutschland ermöglichte Heros von Borke das Erscheinen einer deutschen Ausgabe seiner 1866 in englischer Sprache erschienen "Kriegserinnerungen". Unter dem reißerischen Titel: "Zwei Jahre im Sattel und am Feinde. Erinnerungen aus dem Unabhängigkeitskriege der Konföderation.", erreichte die Publikation einen guten Absatz, so dass mehrere Auflagen folgten. Von Borckes Darstellungen der Kriegsereignisse zwischen 1862 und 1864 lesen sich wie eine Heldensaga. Tatsächlich beschränkt sich seine Ausführung lediglich auf militärische Aspekte. Die Unionstruppen wurden als Okkupanten angesehen. Somit war der Befreiungskampf der Südstaaten aus deren Sicht absolut legitim. Darüber hinaus konnte man anfänglich trotz militärischer Unterlegenheit glänzende Siege gegenüber dem Feind erringen. Ein perfektes Betätigungsfeld für Berufssoldaten und Glücksritter. Heros von Borcke, Instrument und Botschafter der konföderierten Oligarchie, maß der ethischen und moralischen Komponente des Sezessionskrieges wenig Bedeutung bei. Militärische Aspekte sowie glorifizierte Tugenden wie Ritterlichkeit und Tapferkeit bilden den Schwerpunkt seiner Bücher. Damit entsprach er voll und ganz dem Zeitgeist, da angesichts der Fülle der kriegerischen Auseinandersetzungen jener Tage ausschließlich militärpolitische Fragen zur Diskussion standen. Heros von Borcke beendete sein Leben als angesehener Militärschriftsteller und starb 1895 in Berlin.

                

Johann August Heinrich Heros von Borcke wurde am 23. Juli 1835 auf der Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz als Sohn des Gutsbesitzers und Offizier im 19. Infanterieregimentes Theodor von Borcke (1805 - 1878) geboren. 1846 kam Heros an das Gymnasium in Berlin und zwei Jahre später an das Königliche Pädagogium in Halle. 1853 verließ er diese Institution und trat dem preußischen Gardekürrasierregiment bei. 1855 erhielt Heros von Borcke sein Offizierspatent. Drei Jahre später nahm er seinen Abschied und begab sich für mehrere Wochen auf Reisen, um sich schließlich Anfang 1858 erneut in der Armee zu melden. Bis Anfang 1862 diente er dann im 2. Brandenburgischen Dragonerregiment. Über den Ausbruch des Bürgerkrieges in Amerika informiert, nahm er erneut den Abschied und reiste unverzüglich nach Übersee. Hier meldete er sich in Charleston und wurde der Kavallerie unter General James Ewell Brown Stuart zugeteilt. Zu ihm entwickelte Heros von Borcke eine tiefe Freundschaft, die bis zu dem Tode des berühmten Reitergenerals am 12. Mai 1864 anhielt. Nur kurze Zeit später, am 19. Juni, wurde Major Heros von Borcke in dem Gefecht von Middleburg durch eine Revolverkugel schwer am Hals verwundet. Er musste viele Monate im Krankenlager verbringen, den Tod ständig vor Augen. Am 20. Dezember 1864 wurde ihm von der Konföderierten Regierung der Rang eines Oberstleutnants verliehen und er reiste im Auftrag der Regierung nach England, wo er bis 1866 wirkte. Im gleichen Jahr kehrte er zurück nach Deutschland, um der preußischen Armee erneut seine Dienste anzubieten. Heros von Borcke erhielt den Rang eines Leutnants im 3. Neumärkischen Dragonerregiment, bis er zum Stab des Prinzen Friedrich Carl abkommandiert wurde. In dieser neuen Position nahm er an der Entscheidungsschlacht von Königgrätz am 3. Juli 1866 teil. Die Spätfolgen seiner Verwundung aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg zwangen ihn schließlich im Jahre 1867, seinen Abschied zu nehmen. Am 16. September des gleichen Jahres heiratete er Madalene Honig (1845 - 1883), die Tochter eines wohlhabenden Gutsbesitzers. Die Eheleute siedelten auf die Besitztümer in Westpreußen über. Später, nach dem Tod des Vaters, bewirtschaftete Heros die Länderrein in der Neumark. 1884 reiste Heros auf Einladung der alten Waffenbrüder nach Amerika. Im Ergebnis seiner Reise veröffentlichte Heros von Borcke 1898 seine zwei Bände umfassende Erinnerungen aus dem Bürgerkrieg unter dem Titel: "Zwei Jahre im Sattel und am Feinde", einer überwiegend romantisierende Darstellung der blutigen Auseinandersetzung mit zahlreichen, wertvollen Detailaussagen. Nach dem Tod seiner Frau heiratete Heros 1885 deren jüngere Schwester Tony Honig (1849 - 1928). Im Frühjahr 1895 erkrankte Heros ernsthaft an einer Lungenentzündung, an der er schließlich am 10. Mai des gleichen Jahres in Berlin verstarb.

Wie er kämpften weitere deutsche Adlige in der Konföderation, bevorzugt in der Kavallerie. Baron Robert von Massow, ehemaliger preußischer Offizier, meldete sich 1861 als Stabsoffizier in dem Kavallerieverband Oberst Mosbys. Damit gehörte von Massow einer Truppe an, die insbesondere durch ihre Raids- also durch Einfälle im Hinterland des Feindes- Angst und Schrecken auch bei der Zivilbevölkerung verbreitete. Nach Kriegsende kehrte der Baron nach Deutschland zurück und kämpfte als Dragonerleutnant 1866 im Krieg gegen Österreich.

Baron Robert August Valentin Albert von Massow wurde 1839 in den preußischen Länderein geboren. Nachdem er 1857 sein Offizierspatent erhalten hatte, diente er zunächst als Leutnant im 1. Garde Ulanen Regiment in Potsdam. Im Juli 1863 traf von Massow in New York ein. Über Umwege gelangte er in die Südstaaten und schloss sich hier dem 43. Virginia Bataillon unter Oberst John S. Mosby an. Während eines Raids am 22. Februar 1864 wurde von Massow schwer durch einen Schuss in die Lunge verwundet. Er brauchte 6 Monate, um sich wieder einigermaßen zu erholen. Im Frühling 1865 reiste von Massow zurück nach Deutschland. 1866 wurde er Leutnant im 11. Pommerschen Dragonerregiment. Im Deutsch - Französischem Krieg beteiligte er sich in der 1. Kavalleriedivision und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Nach dem Krieg ließ sich von Massow zuerst in Oldenburg, später in Berlin nieder. 1888 erhielt er das Kommando über das 2. Garde Ulanen Regiment, zwei Jahre später hatte er den Oberbefehl über die Kavallerie. 1899 wurde er zum General der Armee ernannt. 1906, nach fast 54 Jahren Dienst, nahm von Massow seinen Abschied vom Militär. Er starb im Jahre 1927 in Wiesbaden.

 

Ein Baron von Barke, ebenfalls preußischer Offizier, hielt sich während des Sezessionskrieges als aide-de-camp im Stab General Stuarts auf.

Ähnlich wie Heros von Borke berichtete ein anderer deutscher Adliger später von seiner Teilnahme am Bürgerkrieg. Viktor von Scheliha, ein preußischer Offizier, diente als Oberstleutnant im Stab des konföderierten General Buckner und kommandierte später das Ingenieurcorps. 1868 erschienen seine Tagebücher in London, die allerdings nicht die Berühmtheit eines von Borke erreichten.

Aufgrund der geringeren Teilnahme deutscher Einwanderer in der Armee der Südstaaten existierten keine reindeutschen Regimenter oder gar Divisionen, wie es in der Union üblich war. In den Einmusterungsunterlagen finden sich allerdings eine ganze Anzahl deutscher Kompanien, ca. 80- 100 Mann stark, die neben der deutschen Bezeichnung auch von eingewanderten Offizieren befehligt wurden. Ein Hauptmann Otto von Röder kommandierte die A Kompanie in einem Texas Infanterieregiment. Ein Baron Wilhelm Heinrich von Eberstein meldete sich im April 1861 als einfacher Soldat und stieg bis zum Sergeant Major (Unteroffiziersrang) in der 7. North Carolina Infantry auf

Die 20.  Louisiana Infantry bestand zu einem großen Teil (6 Kompanien) aus deutschen Einwanderern und wurde von dem ehemaligen preußischen Offizier Leon von Zinken kommandiert. Gerade um seine Person ranken sich zahlreiche Legenden. Nach seiner Teilnahme an der Schlacht von Shiloh diente er als Generalinspekteur im Stab General Breckenridge. 1863 übernahm er das 19. und 20. Louisiana Infanterie Regiment und führte die Einheiten bei Chickamauga. Sowohl bei den eigenen Truppen als auch bei den feindlichen Unionssoldaten genoss von Zinken großes Ansehen. Durch sein verwegenes und kaltblütiges Auftreten im dichtesten Schlachtgetümmel beeindruckte er Mannschaften wie Offiziere gleichermaßen, die

voller Stolz, behaupteten dass "Für den keine Kugel gegossen ist." Die Annahme, Leon von Zinken sei während der Feldzüge 1864 gefallen und hätte seine letzte Ruhe in einem namenlosen Soldatengrab gefunden, konnte durch neue Forschungen widerlegt werden. Nach dem Krieg arbeitete als Auktionär und Verkäufer. 1870 betätigte sich von Zinken als Rechtsanwalt und starb allerdings ein Jahr später in New Orleans.

Aber auch die konföderierte Artillerie profitierte von den Erfahrungen deutscher Offiziere. Ein Hauptmann E. von Buchholz- es finden sich leider keine Angaben zu seinem Vornahmen oder ähnliches- hatte bereits in Deutschland als Artillerieoffizier gedient und übernahm zu Beginn des amerikanischen Bürgerkrieges das Artilleriebataillon unter General Wise.

Aufgrund ihrer zahlenmäßigen Geringfügigkeit spielten die Deutschen als ethnischer Faktor in der Konföderation keine Rolle. Abgesehen davon, dass einige Soldaten zum Dienst gezwungen wurden gab es ohnehin nur Schwierigkeiten mit der deutschen Minorität in den Südstaaten. Unruhen und Aufstände wurden sofort im Keim erstickt, woraufhin eine ganze Anzahl deutscher Siedler sich auf den Weg nach Norden machte, um der Repression zu entgehen. Deutsche, die in Kompanien oder anderen militärischen Einheiten zusammengefasst freiwillig für die Konföderation in den Krieg zogen taten dies lediglich aus der Überzeugung heraus, ihre Wahlheimat gegen einen aggressiven Gegner verteidigen zu müssen. Kaum einer von ihnen versuchte die Sklaverei auf diese Weise aufrecht zu erhalten.

Natürlich ist die Beteiligung der Deutschen im amerikanischen Bürgerkrieg ein wesentlich komplexeres Thema, als hier dargestellt. Es sollte auch nur speziell die Rolle der vielleicht bekanntesten deutschen Adligen beschrieben werden. Erstaunlicherweise ergibt sich hierbei ein sehr vielschichtiges Bild. Nicht alle adligen Offiziere sind durchweg als Abenteurer zu bezeichnen. Eine Vielzahl von ihnen hatte ganz bestimmte politische Vorstellungen, die sie durch ihre Teilnahme am Bürgerkrieg umzusetzen versuchten. Keiner von ihnen beendete den Krieg mit Ruhm und Ehre oder gar finanziellen Reichtum. Viele verarmten oder suchten in anderen kriegerischen Auseinandersetzungen ihr Glück.

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