Unter fremder Fahne - Deutscher Adel im Amerikanischen

 

Bürgerkrieg 1861-1865

 

Die Geschichte von Glücksrittern, Berufssoldaten, Spielern und Schuldnern, die sich durch ihre Teilnahme an einem fremden Krieg, Anerkennung und letztendlich viel Geld erhofften.

 

Nachdem im April 1861 der Bürgerkrieg in Nordamerika ausbrach und die Nation in zwei feindliche Lager zerfiel, eilten binnen kürzester Zeit Tausende von Freiwilligen auf beiden Seiten zu den Waffen. Es verwundert daher nicht, dass sich in diesem Strom patriotisch motivierter Menge eine ganze Anzahl zweifelhafter Elemente tummelten, die den Krieg als Mittel zum Zweck betrachteten und sicherlich keine moralischen Hintergründe hatten. Wie alle bislang geführten Kriege zog auch der Amerikanische Bürgerkrieg 1861 bis 1865 Berufssoldaten und Glücksritter aus aller Welt magisch an. Sie alle kamen freiwillig und boten den kriegsführenden Parteien ihre Dienste an. Unter diesen zahlreichen Freiwilligen befanden sich aber auch viele deutsche Emigranten, die sich ohne zu zögern zu den Freiwilligeneinheiten meldeten. Innerhalb der Unionsarmee bildeten sie dabei eigene Regimenter oder Verbände. Bis zum Frühjahr 1865 waren es etwa 200.000 Deutsche, die unter dem Sternenbanner der Union in den Krieg gezogen waren. Einige Namen berühmter Vertreter konnten bis zur Gegenwart überdauern. Dabei ist allerdings nur wenig über deutsche Aristokraten überliefert, die ebenfalls an diesem Konflikt teilgenommen hatten. Generell lassen sich alle europäischen Adligen, die am US- Bürgerkrieg partizipiert hatten, in vier Kategorien einteilen:

1.) Adlige (meist verarmt), die bereits vor dem US- Bürgerkrieg nach Amerika kamen und nun ungeachtet ihres Titels am Krieg teilnahmen. (oftmals in den entsprechend niederen Rängen)

2.) Adlige (meist klassisch-preußischer Militäradel), die als Glücksritter (so genannte "soldiers of fortune") gleich zu Beginn des Krieges ihre Dienste anboten bzw. in Europa angeworben wurden (so genannte "importierte Offiziere"). Ihnen ging es weitestgehend um die Teilnahme am Krieg und der damit verbundenen Reputation. Der moralische Hintergrund war oft sekundär.

3.) Adlige (meist niederer Adel, Barone oder Freiherren, die auf der Stufe zum höheren Adel standen), die aus Perspektivlosigkeit oder nach der fehlgeschlagenen Revolution 1848 in Deutschland Europa verließen. Viele von ihnen verzichteten auf ihren Titel bzw. wurden denobilitiert und sahen in dem amerikanischen Bürgerkrieg die Möglichkeit zur Durchsetzung der politischen und moralischen Ziele; im gewissen Sinne die " Fortführung der unvollendeten Revolution in Deutschland".

4.) Adlige, von der Regierung in Europa (Deutschland) beauftragt, das Kriegsgeschehen in Amerika zu studieren und zu dokumentieren. Hierzu dienten sie oft im Stab der Generalität als "Aide-de-camp" und nahmen häufig selbst aktiv an den Auseinandersetzungen teil.

Statistiken zufolge dienten in der Unionsarmee etwa 60 deutsche Offiziere adliger Herkunft, die konföderierte Gegenseite weist ca. ein halbes Dutzend Blaublütler auf Inwieweit hierbei Ungenauigkeiten hinsichtlich der Einmusterungsangaben auftraten lässt sich nur erahnen, aber nicht mit absoluter Sicherheit feststellen. Genauere Einblicke in Regimentslisten geben Aufschluss über weitere adlige Soldaten und Offiziere, die teilweise in den Statistiken nicht erfasst sind. Tatsächlich haben zwischen 150 und 200 deutsche Adlige in der Unionsarmee während des Bürgerkrieges gekämpft. Das allerdings bei einigen nicht der Titel sondern vielmehr die militärischen Fähigkeiten von ihren amerikanischen Offizierskollegen geschätzt wurden beweist die Tatsache, dass zwei deutsche adlige Offiziere bis zum Brigadegeneral der Unionsarmee aufstiegen. Weitere sieben Offiziere blauen Blutes schafften immerhin den Sprung zum Titular Brigadegeneral, unter ihnen sogar ein deutscher Prinz. Mehr als zwei Dutzend hatten den Rang eines Obersten inne und befehligten eigene Regimenter, in einigen Fällen auch ganze Brigaden.

 

Die Situation im Norden

... bot zunächst den Freiwilligen eine gewisse finanzielle und materielle Absicherung. Anfänglich wurde der Sold regelmäßig gezahlt und die Soldaten kriegsgerecht ausgestattet.

Eine Vielzahl deutscher Offiziere meldeten sich in den Rekrutierungsbüros, um ihre Dienste der Union anzubieten. Das Auftreten insbesondere der adligen Aspiranten reichte schließlich von der bescheidenen Einmusterung als gemeiner Soldat bis hin zur Forderung nach horrender Besoldung, sowie einem adäquaten Rang als Offizier.

Häufig erschienen fragwürdige Personen in den Büros, die mit geradezu abenteuerlichen Lebensläufen und der Vorlage zweifelhafter Dokumente, sich als Offiziere in der Armee wieder zu finden hofften.

Grundsätzliches Problem aller deutschen Soldaten und Offiziere, die erst unmittelbar vor Ausbruch des amerikanischen Bürgerkrieges nach Amerika gekommen waren, stellte die englische Sprache dar. Speziell die adligen Offiziere verfügten über ein Minimum an Kenntnissen, die allerdings in Führungspositionen der Armee unerlässlich waren. Zwangsläufig musste das zu Schwierigkeiten mit den amerikanischen Offizieren führen, welche die miserablen Sprachkenntnisse der Deutschen natürlich mit deren militärischen Fähigkeiten gleichsetzten. Im Verlaufe des Krieges entwickelten sich insbesondere auf der Unionsseite zwei inhomogene Lager, deren Spannungen sich in nativistischen Reaktionen in Politik und Presse entluden. Dieser äußerst sensible Aspekt des Amerikanischen Bürgerkrieges findet erfreulicherweise gegenwärtig seine sukzessive Aufarbeitung durch vorrangig amerikanische Historiker.

Vielleicht entgegen allen Vermutungen konnte der amerikanische Soldat des Bürgerkrieges den adligen Attributen wie Graf oder Baron keine Bedeutung beimessen. Abgesehen davon, dass die deutschen Soldaten bei ihren amerikanischen Kameraden im allgemeinen unter einem schlechten Ruf leiden mussten, wurden adlige Kommandeure als das angesehen was sie waren: Offiziere. Einer Anekdote zufolge soll Präsident Abraham Lincoln auf den Hinweis, dass es sich bei Felix Salm- Salm um einen deutschen Prinzen handelte, geantwortet haben: "Nun, das soll Ihnen bei uns nicht schaden."

General George B. McClellan inmitten seiner Offiziere. Ganz links steht Oberstleutnant Paul von Radowitz, ehemaliger Offizier der Garde du Corps und Sohn eines preußischen Ministers unter Friedrich Wilhelm IV. Paul war ein enger Freund von Herbert von Hammerstein (siehe weiter unten bzw. unter New York im Bürgerkrieg)

Bedauerlicherweise lassen sich Informationen über den Lebensweg von Paul von Radowitz und vieler anderer adliger deutscher Kriegsteilnehmer nur sehr schwer ermitteln. Auf Betreiben des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten Alexander Graf von Schleinitz konnte Paul von Radowitz gemeinsam mit dem Freiherrn Karl von Hardenberg als Offizier in den Stab von Oberst Ludwig Blenker vermittelt werden. Beide Offiziere nahmen in ihrer neuen Position an den Rückzugsgefechten von Bull Run teil. Paul, der neun Jahre in der Garde du Corps gedient hatte und aufgrund ungeheurer Spielschulden nach Amerika kam, erhielt am 30. September 1861 den Rang eines Oberstleutnants (aide-de-camp) im Stab von General George B. McClellan. Hier machte er sämtliche Feldzüge der Potomacarmee mit, ohne selbst direkt an militärischen Auseinandersetzungen beteiligt gewesen zu sein. Am 12. Juli 1865 wurde Oberstleutnant Paul von Radowitz aus dem Militärdienst entlassen. Eine interessante Spur findet sich Jahre später in der New York Times vom 1. Juli 1879. Hier erfährt der Leser, dass am Tag zuvor ein Verfahren gegen den Baron eingestellt worden ist, nachdem dieser den Betrag von $ 642 an den Unionspensionsfond zurückgezahlt hatte. Dies war exakt der Betrag, den Paul von Radowitz abweichend und damit unrechtmäßig entsprechend seines Dienstgrades eingefordert und erhalten hatte. Die Ehre des Barons war damit wieder hergestellt. Ein weiterer interessanter, wenngleich widersprüchlicher Hinweis, findet sich in der Promotionsarbeit "Preussen und die USA 1850 bis 1867" von Enno Eimers (Berlin 2004). Seinen Recherchen zufolge war Paul von Radowitz als verarmter Berufssoldat bereits im Jahre 1871 nach Deutschland zurückgekehrt. Prinzessin Agnes Salm-Salm, die Paul von Radowitz Anfang des Krieges kennengelernt hatte, beschrieb ihn als äußerst attraktiven und intelligenten Mann, der stets im Mittelpunkt der Washingtoner Damengesellschaft stand. Seine Spielsucht und eine stark ausgeprägte Generosität zwangen von Radowitz nach dem Krieg nach Kanada, um seinen Gläubigern zu entfliehen. In Kanada soll er erfolgreich als Reitlehrer gearbeitet, jedoch alle Ersparnisse wieder seinen Großzügigkeiten geopfert haben. Später kehrte von Radowitz nach New York zurück, wo er-so Agnes in ihren Lebenserinnerungen 1875-wohl geblieben sein soll. Bei aller Ungenauigkeit und Einseitigkeit, die man durchaus der Prinzessin Agnes Salm-Salm in ihren Ausführungen unterstellen kann, lässt sich nicht bestreiten, dass ihre Einschätzung des Charakters von Baron von Radowitz durchaus mit dem Bericht der New York Times vom Juli 1879 korrespondiert.

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In einer ganz besonders auffälligen Art und Weise versammelte ein deutscher "Glücksritter" zahlreiche Adlige in seinen Stab. Oberst Ludwig Blenker, ein so genannter 48er aus Worms, hatte bereits in Griechenland als Söldner gedient und suchte nun mit Ausbruch des amerikanischen Bürgerkrieges eine neue Herausforderung und Einnahmequelle. Obwohl die erste Schlacht von Bull Run eine Niederlage für die Union war, erregte Blenker das Aufsehen seiner Vorgesetzten, so dass er bald darauf zum Brigadegeneral ernannt wurde. Unter der Protektion seines Ziehvaters, Generalmajor George B. McClellan, Oberbefehlshaber der Unionstruppen und selbst glühender Verehrer des preußischen Militärcorps, konnte Blenker eine deutsche Division in einer Stärke von etwa 10 000 Mann bilden, deren Reihen ausnahmslos europäische Einwanderer füllten. "Blenkers Division war etwas ganz Besonderes. Wenn es zu Stolz, Pomp und kriegerischen Ehren kam überstrahlte sie alle übrigen Divisionen. Im Exerzieren und Zuschautragen soldatischer Haltung war die Division ausgezeichnet, da alle Offiziere und wahrscheinlich auch alle Soldaten in Europa gedient hatten. Ich habe es immer bedauert, dass man mir diese Division wegnahm." (Längin 1998: 86), schwärmte McClellan Jahre später in seinen Kriegserinnerungen. Blenker, der einer verschwenderischen Neigung unterlag, beeindruckte anfänglich durch straffen preußischen Drill, Phantasieuniformen, die während Paraden getragen wurden und nicht zuletzt durch die Zusammensetzung seines Stabes. Hier fand man so illustre Namen wie Major Anton von Püchelstein (geboren am 14. Oktober 1809 in Wien; gestorben am 21. August 1870 in Egg Harbor City, New Jersey), ehemals österreichischer Offizier, der im Verlauf des Bürgerkrieges das 4. Kavallerieregiment aus New York befehligen sollte. Otto von Corvin-Wiersbitzkie hatte in Deutschland als preußischer Offizier gedient und später in der Revolution 1848/49 gekämpft. Nachdem er daraufhin einige Jahre in Festungshaft verbringen musste, erreichte er 1861 Amerika. Den Rang eines Titular Oberst führend, gehörte er dem Stab General Blenkers an, mit dem er persönlich gut befreundet war. 1863 offerierte er Präsident Lincoln seine Pläne zur Anwerbung von 20.000 Soldaten in Deutschland, um die Unionsarmee zu unterstützen. Die Vorschläge Corvins wurden allerdings im Kabinett abgelehnt. Otto von Corvin kehrte 1867 nach Deutschland zurück, arbeitet als Berichterstatter während des Deutsch-Französischen Krieges und starb 1886.

Otto von Corvin wurde am 12. Oktober 1812 als Otto Julius Bernhard von Corvin - Wiersbitzki in Gumbinnen, Ostpreußen, geboren. Der Sohn eines Postdirektors und preußischen Majors a. D. kam in jungen Jahren an die Kadettenschulen nach Potsdam und Berlin. Ab 1830 war er als preußischer Leutnant abwechselnd in Mainz und Saarlouis stationiert. 1835 quittierte Otto von Corvin den Dienst und ließ sich als Schriftsteller - wenn auch erfolglos - in Frankfurt am Main nieder. Fünf Jahre später zog er nach Leipzig um. In der liberalen Stadt unterhielt Corvin unter anderem eine Schwimmhalle und gründete eine Druckerei, die mittels neuen Verfahren kostengünstig Bücher und Broschüren herstellte. 1839 heiratete Corvin Helene Cardini, die Tochter eines italienischen Wein- und Tabakhändlers. Mit großer Begeisterung beteiligte sich der überzeugte Demokrat an der Revolution von 1848 und er erhielt das Kommando über die Deutsche Demokratische Legion. Im August 1849 musste Corvin vor der preußischen Übermacht kapitulieren und die Festung Rastatt übergeben. Die Revolution fand ein blutiges Ende. Zahlreiche Mitstreiter wurden hingerichtet. Am 15. September 1849 verurteilte ein Standgericht Corvin zum Tode. Auf Druck seines Anwaltes und auch wegen der Bittschreiben seiner Mutter Sophie konnte das Urteil in eine sechsjährige Haftstrafe in Bruchsal umgewandelt werden, die Corvin auch absaß. Lediglich elf Monate wurden ihm erlassen. Nach seiner Freilassung im Oktober 1855 reiste Corvin als Schriftsteller und freier Journalist im März des Folgejahres nach England. Hier fand der nunmehr mittellose Corvin Unterstützung bei einstigen Weggefährten, die ihm auch eine erste Anstellung als Deutschlehrer verschafften. 1861 entsandte ihn sein Auftraggeber, die Augsburger Allgemeine Zeitung, nach New York. Als Sonderbeauftragter nahm Corvin im Rang eines Titular US - Oberst am Amerikanischen Bürgerkrieg teil und berichtete hier überwiegend für deutschsprachige Zeitungen direkt von der Front. Die offiziellen Militärakten führen Corvin vom 11. Mai 1863 bis zum 14. Oktober 1863 als Oberstleutnant im reorganisiertem 8. New Yorker Regiment. Diese Einheit rückte nie ins Feld und die Soldaten wurden daraufhin auf andere Einheiten verteilt. Mehrfach soll ihm von der politischen Führung in Washington das Kommando über ein eigenes Regiment angeboten worden sein. Selbst eine mögliche Beförderung zum General wurde diskutiert. Beides lehnte Corvin ab. Nach der Übernahme des 68. New Yorker Regimentes durch den deutschen Prinzen Felix Salm-Salm, schlugen Corvin und der Prinz dem Präsidenten Lincoln in einem persönlichen Gespräch die Bildung einer Division mit 20.000 Mann vor. Jedoch führten Unstimmigkeiten im Kabinett zur Ablehnung dieser Pläne. Während seines Aufenthalts in den Vereingten Staaten arbeitete Otto von Corvin auch zwei Jahre lang für das Schatzamt. 1867 kehrte Otto von Corvin nach Deutschland zurück und führte ein recht bewegtes und abenteuerliches Leben als freier Jounalist. 1870/71 reiste er erneut als Kriegsberichterstatter nach Frankreich und schrieb hier für die "Neue Freie Presse". 1874 ließ er sich in Wertheim nieder. Später lebte er zeitweise wieder in Leipzig. Otto von Corvin - Wiersbitzki starb am 2. März 1886 in Wiesbaden. Agnes Leclerq Joy, die Witwe des Prinzen Felix Salm-Salm, stiftete den Obelisten auf seinem Grab. Corvin hatte zu Lebzeiten eine tiefe Freundschaft mit den Eherleuten Salm-Salm verbunden, und er war es auch, der die Tagebücher der beiden professionell umschrieb und später veröffentlichen ließ. Corvins treue Frau Helene starb 1893 ebenfalls in Wiesbaden. Die Ehe war kinderlos geblieben. Bekannt wurde Corvin insbesondere durch sein berühmtes Werk "Pfaffenspiegel. Historische Denkmale des Fanatismus in der römisch - katholischen Kirche", in welchem er u. a. entschlossen mit der verbrecherischen Inquisition im Namen Gottes abrechnete. Einer seiner direkten Vorfahren, Georg Ludwig von Corvin-Wiersbitzky (1717-1778), war Generalmajor unter dem preußischen König Friedrich II.

Literaturhinweis: Stamm, Irmgard, Der "Verräter", der begnadigt wurde. Otto von Corwin (1812-1886) und die Revolution in Baden, Baden-Baden 2012. 

Corwin, Otto von, Erinnerungen aus meinem Leben, Leipzig 1880

Die vielleicht schillerndste Persönlichkeit, die dem Blenker'schen Stab angehörte, war der deutsche Prinz Felix Konstantin A. J. N. Salm- Salm. 1828 in Westfalen geboren, diente er später in der preußischen Armee. Nach seiner Teilnahme am Schleswig- Holstein Krieg, wurde ihm vom preußischen König ein "Ehrenschwert" für die Verdienste in den Schlachten verliehen. Später schloss sich der Prinz der österreichischen Armee an. Aufgrund seines großzügigen Lebensstils verschuldete sich Prinz Salm derart, dass er die Flucht nach Amerika wagte. Gleich nach Ausbruch des Bürgerkrieges meldete er sich zur Unionsarmee und erhielt auf Betreiben des deutschen Konsuls eine Anstellung im Stab Blenkers. Nachdem diese "deutsche" Division aufgelöst wurde, fand sich der Prinz an der Spitze des aus deutschen Einwanderern gebildeten 8. New York Infanterieregimentes wieder. Maßgeblichen Anteil an dieser Beförderung hatte hierbei seine mondäne Gemahlin Agnes, die ihren Gatten den ganzen Krieg hindurch begleitet hatte und mehr als einmal den Werdegang des Prinzen bestimmte.

Nachdem der Prinz das 8. NY Volunteer Reg. übernommen hatte, resignierten einige Offiziere des Regimentes - darunter auch der adlige Hauptmann Gustav von Struve - da sie nicht unter dem Kommando eines deutschen Prinzen dienen wollten. Struve selbst war aktiver Teilnehmer an der fehlgeschlagenen Revolution in Deutschland von 1848 gewesen und hatte im Ergebnis dazu auf seinen Titel verzichtet. Nachdem er nach Amerika ausgewandert war, diente er mit Ausbruch des Bürgerkrieges im 8. New York Reg. und kehrte 1863, nachdem der Prinz als Oberst das Regiment führte, enttäuscht nach Deutschland zurück. Unberücksichtigt der Schwierigkeiten, denen sich deutsche Soldaten in der Unionsarmee gegenübersahen, hatten sich adlige Offiziere in deutschen Einheiten einer besonders stark ausgeprägten Abneigung ihrer Untergebenen zu erwehren. Gerade ehemalige Revolutionäre, so genannte "48er" empfanden es als unerträglich, in einem fremden Land unter das Kommando adliger Offiziere treten zu müssen. Insbesondere der Stab General Blenkers gab Anlas zu dieser ablehnenden Haltung der Demokraten. Die Offiziere ließen die Soldaten während des Drills die Herkunftsunterschiede deutlich spüren. Pompöse Offiziersbälle und regelrechte Saufgelage taten ein weiteres, um die vorherrschende Antipathie in den Mannschaften weiter zu verstärken. Auf der anderen Seite genossen adlige Offiziere, die bereits an den Aufständen in Deutschland partizipiert hatten oder sich durch militärische Fähigkeiten während des Bürgerkrieges auszeichnen sollten, das nahezu grenzenlose Vertrauen ihrer Untergebenen. Von ihnen wird später noch die Rede sein.

Gustav Karl Johann Christian von Struve war der Spross einer alten baltischen Adelsfamilie und kam am 11. Oktober 1805 als Sohn von Johann Gustav von Struve und dessen Ehefrau Friedericke Christine Sybille, geborene von Hockstetten, in München zur Welt. Struve studierte zwischen 1824 und 1826 Jura in Göttingen und Heidelberg und schloss sich 1848 den revolutionären Ausschreitungen an. Vor dem nationalen revolutionären Aufbegehren hatte er als Advokat in Mannheim gearbeitet und bereits von 1845 bis 1846 als Redakteur des oppositionellen "Mannheimer Journals" gewirkt. Als überzeugter Demokrat legte Struve 1847 seinen Adelstitel ab. Nicht zuletzt auch deshalb, weil er sich zwei Jahre zuvor mit der Bürgerlichen Amalie Siegrist aus Mannheim verheiratet hatte. Und nicht genug damit: Amalie war 19 Jahre jünger als ihr Eheman. Dies führte zum Zerwürfnis mit seiner aristokratisch gesinnten Familie. Amalie war eine streitbare radikale Demokratin, die ihrem Mann auch in die militärischen Gefechte begleitete. Wegen ihrer revolutionären Aktivitäten saß sie ab September 1848 für 205 Tage in Einzelhaft. Nach ihrer Entlassung zeigten sich erstmals Anzeichen von Trigeminusneuralegie, ein extrem schmerzhafter Reizzustand, der sich speziell im Gesicht manifestierte. Sie sollte Jahre später in Übersee furchtbar darunter leiden. Gustav Struve, ein bekennender Turner, gehörte gemeinsam mit Friedrich Hecker zu den Führern der radikalen Rebublikaner und initiierte mit diesem im April 1848 den sogenannten Hecker-Struve-Putsch, der letztlich scheiterte. Im Frühjahr 1851 emigrierten die Struves nach Amerika und Gustav verdingte sich als Journalist in New York. Seine Frau entwickelte sich immer mehr zur kompromisslosen Frauenrechtlerin und verfasste gemeinsam mit ihrem Mann mehrere Artikel und sogar Theaterstücke (z.B. das Trauerspiel Abälard und Heloise 1855). Mit mäßigem Erfolg: die Struves waren zwischen 1853 bis 1856 auf der untersten sozialen Stufe angekommen und führten ein geradezu armseeliges Leben. Gemeinsam mit seiner Frau arbeitete Struve unermütlich an seiner mehrbändigen Weltgeschichte, eine umfangreiche Arbeit, die er bereits während seiner Festungshaft in Bruchsal und Rastatt begonnen hatte. Idealismus muss zeitlebens die Arbeiten von Struve dominiert haben: immer wieder finanzierte er Auflagen seiner Blätter in Amerika vor und nahezu alle schriftstellerischen Aktivitäten erwießen sich als finanzielles Desaster. Nur der finanziellen Unterstützung von Freunden hatten es die Struves zu verdanken, ein Dach über dem Kopf sowie Verpflegung zu erhalten. Für seine Frau Amalie und ihn stand daher von Anfang an fest, bei der erst besten Gelegenheit die Wahlheimat wieder zu verlassen und zurück nach Deutschland zu reisen. Mit Beginn des Bürgerkrieges kam schließlich die Wende. Am 23. April 1861 verpflichtete sich Gustav als Leutnant für zwei Jahre im 8. New Yorker Regiment. Bereits am 14. September desselben Jahres erhielt Struve seine Beförderung zum Hauptmann der D-Kompanie. Der Aussage der Prinzessin Agnes Salm-Salm zufolge soll Struve insbesondere wegen seiner strengen Disziplin und der Neigung, jedes Vergehen seiner Untergebenen sofort Oberst Blenker zu melden, äußerst unbeliebt in den Truppen gewesen sein. Bei den Soldaten war Struve wegen seines fortgeschrittenen Alters als "Papa Struve" bekannt und es wurde oft über ihn gescherzt. Mit Bekanntwerden der Übernahme des Regimentes durch den deutschen Prinzen Felix Salm - Salm am 26. November 1862 protestierten Struve und einige Offiziere gegen den neuen "adligen" Kommandeur. Gustav Struve hatte bereits am 23. November seinen Rücktritt eingereicht, nachdem seine geliebte Frau kurz nach der Geburt des dritten Kindes im Februar 1862 in New York verstorben war. Nahezu zeitgleich erhielt Struve die Nachricht, dass Baden eine Generalamnestie erlassen hatte, und daher einer Rückreise rechtlich nichts mehr im Wege stand. Vergebens hatte Otto von Corvin, der dem Prinzen Salm-Salm sehr nahe stand, Struve in persönlichen Gesprächen gebeten, dessen Rücktrittsgesuch zurückzuziehen. Noch im selben Jahr reiste Gustav Struve zurück nach Europa, ließ sich in Stuttgart, später in Coburg nieder, heiratete erneut und verstarb am 21. August 1870 in Wien an einer Blutvergiftung. Er hatte erst ein Jahr zuvor eine neue Wohnung in der Habsburgerhauptstadt bezogen. Gustav Struve hat zahlreiche, heute leider fast unbekannte Werke, verfasst. Darunter "Die Phrenologie inner- und außerhalb Deutschlands (Heidelberg 1843)" sowie eine neunbändige Weltgeschichte und zahlreiche kritische Werke über die Demokratiebewegungen in seiner Heimat. Er galt als prinzipientreu, geradezu fanatisch und vielleicht auch ein Stück weit exzentrisch, so dass er mit seinen radikalen Ansichten bei vielen Zeitzeugen häufig auf Unverständnis stieß. Gustav Struve rauchte nicht, war strikter Abstinenzler und darüberhinaus auch Vegetarier.

Literaturhinweis: Struve, Gustav, Das 8. Regiment New York Freiwilliger und Prinz Felix Salm-Salm, Washington D.C. 1872.

Sruve, Gustav, Diesseits und Jenseits des Oceans, Coburg 1863/64.

Der Prinz Salm, der immer wieder durch Spielschulden und Intrigen seiner Frau von sich Reden machte, beendete den Bürgerkrieg als Brevet Brigadegeneral, einem Titular Generalsrang. Ständig auf der Suche nach weiteren Herausforderungen und unter dem Druck finanzieller Nöte, reiste er 1865 nach Mexiko, um hier den von Frankreich eingesetzten Kaiser Maximilian seine Dienste anzubieten. Nach dem Sturz des Monarchen und dessen Erschießung im Jahr 1867 verließen der Prinz und dessen Frau Mexiko und kehrten nach Deutschland zurück. Drei Jahre später, im August 1870, fiel der Prinz als Bataillons Kommandeur eines preußischen Garde Grenadierregiments im Krieg gegen Frankreich.

Felix Konstantin Alexander Johann Nepomuk Prinz zu Salm - Salm (1828-1870) in der Uniform eines Brigadegenerals der Nordstaaten

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Neben dem Prinzen Salm dienten zahlreiche deutsche Adlige als Kommandeure in der Unionsarmee. Der Staat New York rekrutierte für den Krieg 10 reindeutsche Infanterieregimenter sowie weitere fünf teilweise aus deutschen Einwanderern gebildeten Regimenter. Darüber hinaus kamen 6 Artilleriebataillone sowie 2 hauptsächlich aus Deutschen bestehende Kavallerieregimenter zum Einsatz. Wenigstens 10 deutsche adlige Offiziere standen als Oberste bzw. Brigadegenerale an der Spitze deutscher Regimenter, die für den Erhalt der Union in den Krieg zogen.

Baron Adolf von Steinwehr, ein ehemaliger preußischer Offizier aus Blankenburg im Harz, kam bereits 1847 nach Amerika und diente ein Jahr später im Krieg gegen Mexiko. Mit Ende dieses Krieges arbeitete er nur kurze Zeit als Topograph, um anschließend für fünf Jahre nach Deutschland zu reisen. 1854 kehrte von Steinwehr mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten zurück, und ließ sich als Farmer in Connecticut nieder. Mit Beginn des Bürgerkrieges 1861 folgte er seiner eigentlichen Profession und organisierte das 29. New Yorker Infanterieregiment, das ausschließlich aus deutschen Soldaten bestand. Von Steinwehr nahm an allen wesentlichen Feldzügen und Schlachten teil, diente in der Division Blenker und übernahm nach der Auflösung der Division als General eine Brigade im neu gegründeten XI. Unionscorps. Das XI. Corps, welches zur Hälfte (13 Regimenter) aus europäischen Einwanderern bestand, geriet mehrfach außerhalb der blutigen Schlachtfelder in das Kreuzfeuer der Unionspresse, die mit viel Nativismus angereichert, eine regelrechte Hetzkampagne gegen die "coward Dutchmen" (soll bedeuten: "feigen Deutschen") entfachten. Adolf von Steinwehr schied im Juli 1865 aus der Armee, arbeitete als Kartograph, lehrte zeitweise an der Universität in Yale und starb 1877 im Alter von nur 54 Jahren in Buffalo, New York.

Der Stab und einige Kompanieoffiziere des 8. New Yorker Infanterieregimentes unter Obersten Ludwig Blenker. 1= Oberst Ludwig Blenker; 2=Oberstleutnant Julius Stahel; 3=Hauptmann Herbert von Hammerstein; 4=Hauptmann Siegfried von Forstner; 5=Hauptmann Gustav Struve. Die anderen Offiziere sind leider nach meinem Kenntnisstand nicht zu identifizieren. Wer kann helfen? Die Aufnahme entstand zwischen April und August 1861.

Der ehemalige preußische Offizier und Teilnehmer an der Revolution in Deutschland Leopold von Gilsa flüchtete Anfang der 1850er Jahre nach Amerika. Es gelang ihm nicht wie vielen anderen 48er, in der Neuen Welt erfolgreich Fuß zu fassen. Jahrelang musste er sich als Barpianist in den Kneipen von New York mühsam seinen Lebensunterhalt verdienen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass von Gilsa sich zu Beginn des Bürgerkrieges sofort zur Unionsarmee meldete und als Oberst das 4l. NY Regiment (das sogenannte de Kalb Regiment) kommandierte. Leopold von Gilsa gehörte zu den herausragenden adligen Offizieren und nahm unter anderem an den Schlachten von Bull Run, Chancellorsville und Gettysburg teil. Von Gilsa galt als temperamentvoll und legte sich mehrfach mit seinen Vorgesetzten an, was vielleicht dazu geführt haben mag, dass er nie befördert wurde. Enttäuscht nahm von Gilsa 1865 seinen Abschied und starb 1870 in Vergessenheit.

Ein weiterer Teilnehmer der Revolution von 1848 der später seinen Weg nach Amerika finden sollte, war George von Amsberg. 1821 in Hildesheim geboren, diente er später in der österreichischen Armee, wo er eine Husaren Kompanie befehligte. Nach der Niederschlagung der demokratischen Unruhen emigrierte von Amsberg nach Amerika. Mit Ausbruch des Bürgerkrieges diente er als Oberst des 45. NY Infanterieregimentes in der Division Blenker. Das Regiment bestand wesentlich aus Norddeutschen und wurde während des Krieges als "German Rifles No. 5" oder "Plattdeutsches Regiment" bekannt. Von Amsberg zählte zu den weniger auffälligen adligen Offizieren. Er schied 1865 ohne Beförderung aus dem aktiven Dienst und verdiente danach sein Geld als Reitlehrer.

Georg Karl Heinrich Wilhelm von Amsberg wurde am 24. Juni 1821 in Hildesheim geboren. Hier besuchte er das hiesige Polytechnikum und kam im Jahre 1837 als junger Kadett zur österreichischen Armee, um innerhalb der nächsten Jahre rasch in der Kommandoebene aufzusteigen. 1848 diente von Amsberg bereits als Offizier bei den ungarischen Hussaren, bis er sich den Insurgenten in Ungarn anschloss, die eine Abspaltung von den Habsburgern anstrebten. Im Verlauf der militärischen Auseinandersetzungen kommandierte von Amsberg im Rang eines Brigadegenerals ungarische Streitkräfte in einer Stärke bis zu 13.000 Mann und nahm an nicht weniger als 21 Schlachten und Gefechten aktiv teil. Mit der Niederschlagung des ungarischen Aufstandes durch österreichisches Militär geriet von Amsberg in Gefangenschaft und wurde zu 16 Jahren Festungshaft verurteilt. Nach 9 Jahren wurde er vorzeitig entlassen und aus dem Reichsgebiet verbannt. Im Sommer 1858 bestieg er in Bremen das Schiff Hudson, um die Reise nach Nordamerika anzutreten. Am 27. September kam von Amsberg im Hafen von New York City an.  In den U.S.A. verdiente er bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges sein Geld als Reitlehrer in Hoboken. Am 1. Mai 1861 wurde er als Major für drei Monate in der 5. New Yorker Staatsmiliz eingemustert. Am 7. Oktober desselben Jahres übernahm er das Kommando über das 45. New Yorker Regiment. Ab Juli 1862 fungierte von Amsberg als Brigadekommandeur im I. und später im XI. Unionscorps. Am 22. Januar 1864 wurde Georg von Amsberg aufgrund chronischen Asthmas im Rang eines Obersten ausgemustert. Eine Beförderung gab es für ihn nicht. Nach dem Krieg unterhielt von Amsberg ein Hotel. Georg von Amsberg starb am 21. November 1876 in Hoboken, New Jersey. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Weehawken Cemetery in North Bergen, New Jersey. Die Prinzessin Agnes Salm-Salm, die von Amsberg persönlich kennen gelernt hatte, hielt ihn für einen "guten Mann", sicher kein Held, und von Amsberg hätte ihrer Einschätzung zufolge lieber seine Gastwirtschaft in Hoboken betrieben, als an der Spitze eines Regimentes in's Feld zu ziehen. 

Auch das deutsche 46. New York Infanterieregiment, das sogenannte "Fremont Regiment" wurde von einem adligen Offizier befehligt. Rudolf von Rosa stammte aus Schlesien und hatte als preußischer Offizier im Ingenieurcorps gedient. Auch er musste nach seiner Teilnahme an der Revolution 1848 Deutschland verlassen und traf 1850 in New York ein. Vor dem Krieg arbeitete von Rosa als Ingenieur in Washington. Während des Bürgerkrieges führte er erfolgreich das 46th NY Regiment und wurde 1862 schwer verletzt. Von Rosa musste das Schicksal vieler deutscher Offiziere teilen: 1865 nahm er, ohne jemals befördert worden zu sein seinen Abschied und arbeitete bis zu seinem Tod als Ingenieur in New York.

Rudolf von Rosa, schlesischer Edelmann und Offizier in preußischen Diensten, wurde am 5. Februar 1824 in Schlesien geboren. Er beteiligte sich an der Revolution von 1848 und kam zwei Jahre später nach Amerika. Vor dem Krieg arbeitete er als Küstenvermesser. Am 16. September 1861 übernahm er das Kommando über das 46. New Yorker Regiment. Am 17. Dezember 1862 nahm Oberst von Rosa seinen Abschied aufgrund eines Oberschenkeldurchschusses, den er in der Schlacht von Groveton (Second Bull Run) am 29. August 1862 erhalten hatte. Rudolf von Rosa arbeitete nach dem Krieg als Vermesser, Gutachter und Ingenieur für verschiedene Auftraggeber. Als Johann August Röbling (aus Mühlhausen in Thüringen gebürtig) im Mai 1869 die Vorbereitungen für den Bau seiner Brooklynbridge traf, engagierte dieser u.a. Rudolf von Rosa mit den Vermessungsarbeiten. Von Rosa wurde dabei mit 10 Dollar pro Tag entlohnt. Rosas Büroräume befanden sich später in einem Gebäude an der 194 Broadway in New York City. Bis zu seinem Tod erhielt von Rosa eine monatliche Militärrente in Höhe von 7,50 Dollar. Er starb am 29. Juni 1901 in Brooklyn, New York.

Nicht alle adligen Offiziere hatten auf Grund politischen Aktivitäten ihre Heimat verlassen. Georg Wilhelm von Schack, ein ehemaliger preußischer Kavalleriehauptmann, meldete sich aus purer Abenteuerlust zur Unionsarmee. Schack, ein verabschiedeter Hauptmann im 1. Regiment der königlichen Garde, wurde im Juli 1861 auf Betreiben des preußischen Konsuls Freiherr von Gerolt als Major in ein Regiment der Unionsarmee vermittelt. Bereits im Februar 1862 wurde er zum Oberst des deutschen 7. New York Infanterieregimentes befördert und führte die Einheit mit außerordentlicher Tapferkeit in den Schlachten von Antietam und Fredericksburg. Auf Grund seiner Verdienste im März 1865 zum Brevet Brigadegeneral ernannt, blieb Georg von Schack bis August des Jahres in der Armee. Viel interessanter scheinen die Jahre nach dem Krieg für ihn gewesen sein. Obwohl er in die preußische Armee zurückkehren sollte, blieb er in den Vereinigten Staaten und soll Berichten zufolge durch das Austeilen von Zeitungen das Anrecht auf amerikanische Staatsbürgerschaft erworben haben. Später arbeitet von Schack als Zollbeamter und starb 1909 in New York. Ein ehemaliger preußischer Offizier der Garde du Corps, und spätere 48er, Bernhard Gustav von Buggenhagen (wird in den muster rolls des Regimentes als von Buchenhagen geführt) meldete sich im September 1862 im 7. New Yorker Regiment. Im Dezember desselben Jahres bei Fredericksburg wurde er so schwer verwundet, dass Oberleutnant von Buggenhagen am 1. Januar 1863 im Douglas Hospital, Washington, D.C., verstarb. 

Auch das letzte so genannte deutsche Regiment, das 103. NY Infanterie Regiment wurde von einem adligen Offizier kommandiert. Baron Friedrich Wilhelm von Egloffstein stammte aus Bayern, wo er 1824 in Altdorf zur Welt kam. Er diente als Genieoffizier in der bayerischen Armee und wanderte später nach Amerika aus. Hier arbeitete er bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges als Vermessungsingenieur. Im März 1862 formierte er das 103rd NY Regiment, das durch eine Elitekompanie, welche nur aus deutschen Offizieren bestand, innerhalb der Unionsarmee regelrechte Berühmtheit erlangte. Der Baron wurde in den folgenden Feldzügen mehrfach verwundet, so dass er seinen Dienst noch vor Kriegsende quittieren musste. Dennoch wurde von Egloffstein aufgrund seiner Verdienste im März 1865 zum Brevet Brigadegeneral ernannt. Nach dem Krieg reiste er nach Deutschland zurück, wo er sich in Dresden als Graveur niederließ und im Februar 1885 verstarb. Der Bundesstaat New York, der quantitativ die meisten deutschen Regimenter in den Krieg schickte, hatte auch die meisten Verluste zu beklagen. Als im Mai 1864 in den dichten Wäldern von Spotsylvania, Virginia, erbitterte Gefechte geführt wurden, fanden zwei adlige Offiziere des 52. NY Regimentes den Tod an der Spitze ihrer Einheiten: Graf Hermann von Hacke (starb später in Kriegsgefangenschaft) sowie sein Freund Baron Otto von Steuben, ein indirekter Nachfahre des berühmten deutschen Drillmeisters der amerikanischen Revolutionsarmee.

hacke

Hermann Bogislav Albert Wilhelm Eduard Heinrich, Graf von Hacke wurde als einziges Kind in erster Ehe von Albert Bogislav H. G. W., Graf von Hacke (1802-1876) und Luise Wilhelmine von Kummer (1809-1872) am 22. Mai 1831 in Potsdam geboren. Hermann von Hacke diente als Leutnant im 1. Königlich Preußischen Garderegiment zu Fuß, welches in seiner Geburtsstadt stationiert war. Im August 1856 heiratete er die fünf Jahre jüngere Anna von Pusch, die ihm zwei Söhne und eine Tochter schenkte. Nachdem im August 1861 die gemeinsame Tochter Margarethe in Potsdam das Licht der Welt erblickt hatte, reiste  der junge Graf ein Jahr später nach Amerika, um der Union seine Dienste anzubieten. Er selbst gab seinen Status als beurlaubter preußischer Offizier an. Im Januar 1863 wurde Graf von Hacke als Leutnant in der F-Kompanie im deutschen 7. New Yorker Regiment eingemustert. Vier Monate später erfolgte bereits die Ausmusterung. Im Dezember 1863 schloss er sich als Oberleutnant schließlich dem 52. Infanterieregiment aus New York an und beteiligte sich mit der Einheit an den sogenannten Wilderness-Feldzügen im Mai des Folgejahres. Überlieferungen zufolge soll er seinem sterbenden Freund, Baron Otto von Steuben, in dessen Todeskampf beigestanden haben und selbst an diesem 10. Mai 1864 schwer verwundet worden sein. Diese Darstellung in den föderierten Zeitungen entsprach jedoch nicht ganz den Tatsachen, da Baron Otto von Steuben nach der Verwundung des Grafen am 12. Mai 1864 während der Gefechte am Mule Shoe den Tod fand. Am Tag der Verwundung des Grafen von Hacke, es war der 10. Mai 1864, geriet dieser unglücklicherweise in Gefangenschaft und wurde unverzüglich nach Libby Prision verbracht, wo er schließlich am 23. Juni 1864 verstarb. Seine Beisetzung erfolgte vorerst auf dem Oakwood Cemetery. Die letzte Ruhe fand er dann auf dem Richmond National Cemetery, wo sein Grabstein noch heute zu finden ist. Seine Frau Anna erhielt nach dem Krieg eine Witwenrente, die ihr bis zu ihrem Tod 1901 in Berlin ausgezahlt wurde. 


Brigadegeneral Ludwig Blenker im November 1861 (Julius Stahel wurde erst am 12. November 1861 zum Brigdegeneral - wie hier abgebildet -  befördet) mit seinem Offiziersstab. Gesichert sind folgende Offiziere auf der Fotographie: 1=Brigadegeneral Ludwig Blenker; 2=Brigadegeneral Julius Stahel (1825-1912), gebürtig aus Ungarn; 5=Oberst Prinz Felix Salm, Stabschef von General Blenker und ab August 1862 Kommandeur des 8. New Yorker Regimentes. Ungesichert sind folgende Personen: 3=Oberstleutnant Lorenz Cantador (1810-1883), Kommandeur des 27. Pennsylvania Regimentes; 4=Oberst Georg von Amsberg, Kommandeur des 45. New Yorker Regimentes; 6=Oberst Eugene Arthur Kozlay (1826-1883), aus Ungarn gebürtig und Kommandeur des 54. New Yorker Regimentes; 7=Titular-Oberst Otto von Corwin. Unter den europäischen Offizieren herrschten sowohl tiefe Freundschaften als auch unüberwindbare Rivalitäten. Merkwürdigerweise ist keiner seiner Divisionäre (außer Julius Stahel) auf der Abbildung zu sehen. Weiterführende Informationen und/oder Korrekturen sind ausdrücklich erwünscht! Für eine detaillierte Darstellung bitte auf das Bild klicken!

Pennsylvania, ein traditionell bevorzugtes Ziel deutscher Auswanderer, rekrutierte fünf deutsche Regimenter, von denen zwei zeitweise von adligen Offizieren kommandiert wurden. Alexander von Schimmelfennig, ein ehemaliger preußischer Offizier, flüchtete nach seiner Teilnahme an den Unruhen von 1848 nach Amerika und übernahm zu Beginn des Bürgerkrieges das 74. PA Infanterie Regiment. Nachdem von Schimmelfennig zum Brigadegeneral avanciert war übernahm Adolf von Hartung temporär die Einheit. Von Hartung hatte in Deutschland als sächsischer Offizier gedient und während der Revolution zusammen mit Alexander von Schimmelfennig gekämpft. Mit Ausbruch des amerikanischen Bürgerkrieges fanden sich diese beiden "Berufsrevolutionäre" wieder vereint an der Spitze eines deutschen Unionsregimentes.

In Ohio war die Situation ähnlich. Auch hier wurden zahlreiche deutsche Regimenter gebildet, die unter deutschen Befehlshabern an den Kämpfen teilnahmen. Ludwig von Blessing, der 1829 auf Rügen geboren worden war und als preußischer Offizier gedient hatte, führte nun in der Auseinandersetzung zwischen Nord und Süd das 37. Ohio Infanterie Regiment. Dabei zeichnete er sich während der Schlachten von Vicksburg und Chattanooga derart aus, dass er am 13. März 1865 mit dem Titular Rang eines Brigadegeneral belohnt wurde.

Adolph von Haake meldete sich als private im 68. New Yorker Regiment. Am 17. November 1862 wurde von Haake zum Hauptmann der K-Kompanie befördert. Bei Gettysburg geriet er in Gefangenschaft und konnte jedoch später ausgetauscht werden. Im November 1863 wurde seine Beförderung zum Major wieder rückgängig gemacht. Im Mai 1865 erfolgte seine Verabschiedung vom Militärdienst. 

Einen ebenfalls ausgezeichneten Ruf hatte der aus Braunschweig stammende Alexander von Schrader. Nachdem er die Offiziersschule absolviert hatte, diente er als Leutnant in der Leibgarde des Herzogs. 1852 wanderte von Schrader nach Amerika aus. Hier ereilte den Berufssoldaten das gleiche Schicksal wie vieler Leidensgenossen, die praktisch ohne Sprachkenntnisse und finanzielle Voraussetzungen den Sprung in die neue Welt wagten: sie gerieten in eine regelrechte Verarmung. Erst der Bürgerkrieg 1861 schuf für diese Außenseiter neue Möglichkeiten. Alexander von Schrader ist hier wohl ein Paradebeispiel. Als stellvertretender Kommandeur der 74. Ohio Infanterie bewährte er sich während der Feldzüge und zeichnete sich insbesondere in den Schlachten von Corinth und Chickamauga aus. Im März 1865 wurde er durch den allgemeinen Erlass der US Regierung zum Brevet Brigadegeneral befördert. Von Schrader wurde nach Kriegsende von der regulären Armee übernommen, starb allerdings 1867, nur 45jährig in New Orleans, LA.

Aber auch in anderen Waffengattungen der Unionsarmee dienten zahlreiche deutsche Emigranten, unter ihnen adlige Offiziere. So finden sich in den Einmusterungsunterlagen der New Yorker Artilleriebataillone Namen wie Alfred von Kleiser, Adelbert von Morozowek und Albert von Puttkammer, die allesamt als Bataillonskommandeure selbständig Einheiten führten. Von Morozowek stand anfangs als einfacher Kanonier in der 1. New Hampshire Battery, bis er schließlich im August 1864 auf Druck des späteren preußischen Konsuls, den Legationssekretär Gerold von Grabow den versprochenen Rang eines Oberleutnants in der 31. New Yorker Batteroe erhielt. Die amerikanische Artillerie profitierte sehr von den Erfahrungen deutscher Offiziere, zumal der Einsatz dieser Waffengattung während des Bürgerkrieges immer mehr an Bedeutung gewann.

Die Biografie von Albert Leopold Alexander von Puttkammer beinhaltet einige wirklich interessante Ereignisse, die eine nähere Erläuterung verdienen. Geboren wurde er 1807 als Sohn des späteren preußischen Generalleutnants Jacob Bogislaw von Puttkamer (1753-1846) und dessen Frau Anna Hedwig Auguste, eine Geborene von der Groeben (1774-1825). In Berlin erhielt er gemeinsam mit seinen fünf Brüdern (die Brüder hatten noch ein Schwester) eine militärische Ausbildung an der Militärakademie. Nach seiner Ausbildung zum Offizier kam Albert zum ersten preußischen Garderegiment, wo er 13 Jahre lang im Dienst stand. Später wechselte er kurzzeitig zur Kavallerie, quittierte jedoch 1836 den Dienst, nachdem eine lange Friedenszeit bei ihm für eine gewisse Langeweile gesorgt hatte. Über Paris reiste Albert im Juni 1836 nach Amerika. Hier kam er erstmals mit dem Baptistenglauben in Kontakt und beschloss, Prediger zu werden. Später organisierte er die erste deutsche Baptistenkirche in Cincinnati. Mit Beginn des Bürgerkrieges diente er in der Potomacarmee unter General Hunt und befehligte drei Artilleriebatterien. Unter anderem bewährte sich Hauptmann von Puttkammer in der Schlacht bei Chancellorsville. Nach dem Krieg betätigte er sich wieder als Prediger, nachdem er einige Jahre zuvor die Amerikanerin Caroline Scoville geheiratet hatte, mit der er 42 Jahre eine glückliche aber kinderlose Ehe führte sollte. Albert von Puttkammer reiste später mehrfach zurück nach Deutschland, blieb aber schlussendlich in seiner Wahlheimat. Ab den 1880er Jahren lebte Albert von Puttkammer im Baptistenheim in West Farms, New York. Am 22. Januar 1890 erschien in der New York Times ein umfangreicher Artikel über ihn, der mit vielen Details aus seinem bewegten Leben gefüllt war. Der rüstige, streitbare Prediger war bereits 84 Jahre alt und immer noch in einer guten körperlichen und geistigen Verfassung. Keiner seiner fünf Brüder lebte noch zu diesem Zeitpunkt.

Baron Leopold von Seldeneck wurde am 29. Juli 1826 in Karlsruhe geboren. Nach einer soliden militärischen Ausbildung diente er als Kavallerieoffizier in der Armee. Nach seiner Auswanderung nach Amerika heiratete er dort die aus Philadelphia stammende Anne Matilde Wood (1844 bis 1925). Im Februar 1862 wurde er als Leutnant im 103. New Yorker Regiment eingemustert und bereits drei Monate später bei Haughton's Mills, North Carolina, verwundet. 1863 erhielt von Seldeneck seine Beförderung zum Hauptmann im Regiment. Nach dem Bürgerkrieg arbeitete Baron von Seldeneck als Reitlehrer am renommierten Vassar College, New York. Von Seldeneck starb am 31. Dezember 1907 in Philadelphia.

Die sicherlich größte Faszination- zumindest bei der Zivilbevölkerung jener Zeit - übte eine Waffengattung aus, die sich seit eh und je mit dem Nimbus von Ritterlichkeit und Abenteurertum umgab: Die Kavallerie. Leider war die Unionskavallerie zu Beginn des Bürgerkrieges absolut unterentwickelt und litt im allgemeinen unter einem schlechten Ruf. Gerade im Norden waren die Voraussetzungen zur Bildung einer effektiven Kavallerie äußerst schlecht. Nur wenige der Freiwilligen waren im Umgang mit Pferden gut geübt. Um so mehr mussten hauptsächlich die ehemaligen preußischen Kavallerieoffiziere die Unionsreiterei als Spielfeld und Experimentiermöglichkeit betrachtet haben. Trotz aller Widerstände maß man im Verlauf des Krieges dieser Waffengattung eine gewisse Bedeutung bei und nicht umsonst war das erste Regiment, das der wohl berühmteste Deutschamerikaner, Carl Schurz, aus Freiwilligen rekrutierte, ein Kavallerieregiment. Bereits im April 1861 wurde das 1. New York ( Lincoln ) Cavalry Reg. eingemustert und als Oberstleutnant Friedrich von Schickfuß eingesetzt. Oberst Gustav von Deutsch kommandierte das 4. Missouri Kavallerie Reg., das teilweise aus deutschen Reitern bestand. Oberst Gustav von Hellmrich, ein ehemaliger preußischer Offizier, führte die 5. MO Kavallerie, wurde in den Kämpfen um Atlanta, GA., verwundet und gefangen genommen und starb schließlich 1865 an den Verletzungen und Strapazen der Feldzüge. Ein direkter Vorfahre des Bundeswehrgenerals und ehemaligen NATO Befehlshaber Graf Johann A. von Kielmannsegg, diente in mehreren Unionskavallerieregimentern und fiel, zuletzt als Oberst die 1. Maryland Cavalry kommandierend 1864 in einer der Schlachten in der Wilderness.

deutsch

Gustav von Deutsch wurde am 7. Februar 1825 in Graventhien, Landkreis Preußisch Eylau in Ostpreußen, geboren. Während seines Rechtswissenschaftsstudiums in Königsberg und Heidelberg gehörte er der studentischen Vereinigung Saxo-Borussia an. Nach der Revolution 1848/49 und seiner Teilnahme an den Unruhen, floh er nach Amerika, wo er später eine Stelle als Rechtsanwalt in St. Louis fand. Mit Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkrieges meldete er sich im Herbst 1861 zur Armee und stieg im 4. Kavallerieregiment bis zum Oberstleutnant auf. Am 3. Oktober 1862 nahm von Deutsch seinen Abschied. Sein starkes soziales Engagement spiegelte sich u.a. in seiner leitenden Funktion des "Saengerbundes von St. Louis" wider. Von Deutsch spielte selbst ausgezeichnet Cello. Nach einer schweren Erkrankung reiste Gustav von Deutsch in seine alte Heimat nach Ostpreußen zurück. Hier starb er am 2. Oktober 1878 auf dem Rittergut eines Freundes in der Nähe von Puspern, Kreis Gumbinnen.

Freiherr Friedrich Otto von Fritsch wurde am 28. September 1834 in Weimar als ältester Sohn des Reichsfreiherrn von Fritsch geboren. 1835 kam die Schwester Anna, zwei Jahre später der Bruder Carl und 1842 schließlich die jüngste Schwester Marie zur Welt. 1842 starb die Mutter. Nach Privatunterricht kam er mit 11 Jahren an die erweiterte Schule in Grimma. Hier erhielt er eine ausgezeichnete Ausbildung, unter anderem erlernte er Griechisch, Latein, Französisch, Italienisch und Englisch. Mit 13 besuchte der Freiherr die Militärakademie in Dresden, 1847 die Fürstenschule in Grimma. Mit Ausbruch der Revolution 1848 finden wir den Freiherrn kurzzeitig in Frankfurt Main. Zwei Jahre später zum Kadett ernannt, wurde von Fritsch als Portepee-Junker, später als Leutnant von der königlich sächsischen Kavallerie übernommen, wo er im 1. Kavallerieregiment seinen Dienst versah. Von Fritsch genoss einen ausgezeichneten Ruf als vorzüglicher Reiter und sein militärisches Auftreten verhalf ihm zu einem nahezu uneingeschränkten Zugang zur noblen Damenwelt in seinem sozialen Umfeld. Im Winter 1856 nahm er seinen Abschied und reiste nach Amerika. Bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges verdiente er seinen Unterhalt mit Übersetzungen. 1858 erhielt der Freiherr sogar eine Professur für moderne Sprachen in Princeton, New Jersey. Zwischenzeitlich betätigte er sich erfolgreich als Bisonjäger im "Fernen Westen". Wenig später erreichte ihn ein Brief seines Vaters, der ihn aufforderte, umgehend zurück nach Weimar zu kehren. Otto von Fritsch bekräftigte in dem Antwortschreiben seine Absicht, in den Vereinigten Staaten bleiben zu wollen. 1860 reiste Freiherr von Fritsch nach Mexiko, um seine Spanischkenntnisse zu vertiefen und geriet dabei mitten in revolutionäre Unruhen der damaligen Zeit. Mit dem Eintreffen der Franzosen bot er der Armee seine Dienste an und erhielt ein Patent als Oberst. Während eines Scharmützels am 14. September 1862 wurde sein Pferd unter ihm erschossen und der Freiherr geriet in Gefangenschaft. Nur aufgrund der beherzten Intervention eines übergelaufenen französischen Obersten, wurde das Leben des Barons geschont. Unverzüglich reiste er über Kuba zurück nach Amerika, wo mittlerweile ein blutiger Bürgerkrieg die Nation auf die Probe stellte. Durch den Einfluss des zwiespältigen österreichischen Abenteurers Gotthilf von Bourry de Ivernois, erlangte von Fritsch den Rang eines Oberleutnants im 68. New Yorker Regiment (am 1. November 1862 in Stafford Court House, Virginia). Nach der Schlacht von Chancellorsville, wo er verwundet wurde, erhielt er am 1. Juni 1863 seine Beförderung zum Hauptmann. Später verließ er enttäuscht das 68er Regiment, nachdem er erfahren hatte, dass Oberst de Ivernois ein Trinker war und keinerlei militärische Ausbildung genossen hatte. Zufällig begegnete der Freiherr General Schimmelfennig, der ihm die Stelle eines Stabsoffiziers anbot. Am 30. November 1865 wurde Hauptmann von Fritsch in Fort Pulaski, Georgia, ehrenvoll aus dem Dienst der Unionsarmee verabschiedet. Prinzessin Agnes Salm-Salm, die mehrfach gemeinsam mit ihrem Mann vom Freiherrn zum Abendessen eingeladen worden war, betitelte von Fritsch als einen wahren Bonvivant, der es auf angenehme Weise verstand, insbesondere für das leibliche Wohl seiner Gäste auch in Kriegszeiten zu sorgen. Stets war seine Speisekammer gefüllt und ein talentierter Koch in seiner Kompanie garantierte für die Zubereitung schmackhafter Speisen. 1866 trat von Fritsch eine kaufmännische Stellung in Chicago an. Im Jahre 1870 erhielt Freiherr von Fritsch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Nach der Gründung des Deutschen Reiches reiste er 1871 nach Deutschland. Drei Jahre später besuchte er erneut seine alte Heimat. 1891 erhielt der Freiherr eine Invalidenrente wegen der Verwundung, die er im Bürgerkrieg erhalte hatte. Im selben Jahr verstarb der Vater und Otto reiste wiederum nach Deutschland. Der Freiherr reiste 1896 endgültig zurück nach Europa, wo er sich schließlich in der Schweiz niederließ. Freiherr von Fritsch schrieb später das Erlebte während der Feldzüge nieder. Sein Buch "A Galant Captain of the Civil War", London 1902, gehört zweifelsfrei trotz einiger romantisierender Darstellungen zu den wertvollsten Augenzeugenberichten der Ereignisse von 1861 bis 1865. Der Baron (diese Anrede war außerhalb des Reiches üblich und entspricht der eines Freiherrn) starb am 23. November 1909 in Rossiniere, Kanton Waadt, Schweiz.

Mit der Kapitulation von Appomattox Court House 1865 und der Niederlage der Konföderation endete für die meisten deutschen Offiziere ein weiteres militärisches Kapitel in ihrer Laufbahn. Die Erfahrungen, die während der Feldzüge gemacht wurden, versuchten eine ganze Anzahl von Veteranen mehr oder weniger erfolgreich nieder zu schreiben und für die Nachwelt zu erhalten. Eine berühmte Ausnahme war der deutsche Graf Ferdinand von Zeppelin, der 1863 nach Amerika gekommen war, um die Kriegsereignisse auf Unionsseite zu dokumentieren. Hierbei holte er sich technische Anregungen von den Heißluftballons, die zu Aufklärungszwecken mit wechselhaftem Erfolg eingesetzt wurden. Nachdem von Zeppelin nach Deutschland zurückgekehrt war, schrieb er mehrere Aufsätze über den Konflikt jenseits des Atlantik, hielt militärische Vorträge vor der Generalität in Deutschland und entwickelte das berühmte Luftschiff, das später seinen Namen tragen sollte.

Ferdinand Adolf Heinrich August Graf von Zeppelin wurde am 8. Juli 1838 in Konstanz als Sohn des ehemaligen fürstlich hohenzollernschen Hofmarschalls Graf Friedrich Jerome Wilhelm Karl von Zeppelin geboren. 1853 kam der junge Zeppelin an die Realschule, später an das Polytechnikum in Stuttgart. Mit 17 Jahren trat Zeppelin als Kadett in die Militärschule Ludwigsburg ein. Drei Jahre später erhielt er sein Leutnantspatent in der Württembergischen Armee. Nur für kurze Zeit studierte er Maschinenbau und Chemie in Tübingen. 1863 ließ er sich beurlauben und reiste nach Amerika, um Kriegserfahrungen zu sammeln. Zeppelin wurde persönlich vorstellig bei Präsident Lincoln. Er begleitete die Potomacarmee auf einigen Feldzügen und beobachtete hier den Einsatz von gasbetriebenen Ballonen, deren Manouvrierunfähigkeit er im Besonderen kritisierte. Am 19. August 1863 (andere Quellen nennen den 30. April) stieg Zeppelin selbst in einem solchen Ballon in die Höhen. Zweifellos inspirierten ihn die Erfahrungen im Amerikanischen Bürgerkrieg zum Bau von gigantischen Luftschiffen. Er gilt daher als einer der bedeutenden Luftschiffkonstrukteure. Bereits im November 1864 kehrte Zeppelin nach Deutschland zurück, um seinen Dienst in der württembergischen Armee wieder aufzunehmen. Zeppelin heiratete im August 1869 in Berlin Isabella Freiin von Wolff-Alt-Schwanenburg (1846-1922). Dem Ehepaar wurde nur eine Tochter geboren. Im Krieg gegen Frankreich machte sich der Graf wegen seiner Verwegenheit einen Namen. 1884 wurde er zum Oberst des 19. Ulanenregimentes ernannt, welches in Ulm stationiert war. Später erhielt Zeppelin seine Beförderung zum Generalleutnant. Graf Zeppelin starb am 8. März 1917 in Berlin. Beerdingt wurde er allerdings auf dem Pragfriedhof in Stuttgart.

Tatsächlich gerieten die Taten der Deutschen, die im Bürgerkrieg aus welcher Motivation auch immer für die Union gekämpft hatten, bald in Vergessenheit. Eine starke Lobby von Deutschamerikanern versuchte verzweifelt in ihrer neuen Heimat das Erbe von der Teilnahme am Civil War aufrecht zu erhalten. Aber spätestens mit dem Tod des letzten deutschen Bürgerkriegveteranen erloschen auch die Informationen aus erster Hand. Alle weiteren Versuche diesen ethnischen Aspekt wahrheitsgemäß darzustellen, endeten meist in tendenziös verfassten Ungenauigkeiten und Halbwahrheiten. Mangelndes Interesse in der Öffentlichkeit trugen ebenfalls dazu bei, dass die Taten deutscher Emigranten in Amerika zunehmend in Vergessenheit gerieten.

Graf Zeppelin (in der Mitte, knieend) inmitten einiger Unionsoffiziere 1863. Rechts neben ihm steht Hauptmann Ulric Dahlgren, dessen Großvater 1806 aus Schweden nach Amerika eingewandert war.

Eine besonders interessante Figur im Krieg zwischen Nord und Süd stellt der Adlige Friedrich Karl von Schirach (1842 bis 1917) dar. Die Familie von Schirach entstammen einem traditionsreichen wendisch-deutschem Adelsgeschlecht aus der Oberlausitz, deren Geschichte bis weit in das 15. Jahrhundertb zurückreicht. Friedrich wurde am 26. Februar 1842 in Kiel als Sohn von Karl Benedikt von Schirach und Maria Meta Grove geboren. Friedrich Karl kam kurz vor Beginn des Bürgerkrieges nach Amerika. Am 14. Oktober 1861 meldete er sich im 54. New Yorker Infanterieregiment. Am 1. März 1862 erhielt er seine Beförderung zum 2. Leutnant in der G-Kompanie; am 1. Januar 1863 folgte die Beförderung zum Oberleutnant. Besonderen Einsatz zeigte er in der zweiten Schlacht am Bull Run. Friedrich von Schirach wurde mit dem Regiment am 27. Mai 1863 ehrenhaft ausgemustert. Bereits einen Tag zuvor erhielt er sein Leutnants-Patent im Veteran Reserve Corps. Nach Kriegsende wurde er im März zum Hauptmann, und am 13. März 1865 zum Brevet Major befördert. Friedrich von Schirach wurde am 6. Januar 1867 ehrenhaft ausgemustert. Danach diente er in der regulären Armee und trat im Dezember 1870 im Rang eines Hauptmanns in den Ruhestand. Nach dem Krieg heiratete er die Amerikanerin Elizabeth Baily Norris (geboren 1834 in Baltimore, Maryland), mit der er zwei Söhne hatte. Der erste Sohn, Friedrich Wilhelm von Schirach, wurde 1870 in Philadelphia geboren. Kurze Zeit später reiste die junge Familie nach Deutschland, wo im Jahr 1873 der zweite Sohn, Karl Baily Norris von Schirach in Kiel geboren wurde. Die Mutter Elizabeth Baily Norris starb bereits am 9. Februar 1879 in Kiel. Friedrich Karl von Schirach starb am 15. April 1917 in Lübeck. Karl Baily Norris reiste später nach Amerika und heirate 1896 in Philadelphia die Amerikanerin Emma Tillou. Karl Baily Norris von Schirach fungierte von 1909 bis 1918 als Generalintendant des Hofteheaters in Weimar und starb im Jahr 1949. Einer seiner Söhne war Baldur Benedikt von Schirach, der während der NS-Zeit ein führender Politiker der NSDAP war und während der Nürnberger Prozesse 1946 zu 20 Jahren Haft verurteilt worden war. Sein Großvater hatte sich einst während des Amerikanischen Bürgerkrieges verdient gemacht. Wilhelm Kaufmann erwähnte Friedrich Karl von Schirach in seinem Werk "Die Deutschen im Amerikanischen Bürgerkriege" aus unerfindlichen Gründen nicht.

Vergleichbar war die Situation im Süden 

 

 ...wenngleich eine wesentlich geringere Anzahl europäischer Einwanderer in den Reihen der Konföderation diente. Ausgehend von einer Soldatenzahl von etwa 900.000 Mann, die zwischen 1861 und 1865 in der Armee der Südstaaten in den Krieg zogen, erweist sich die deutsche Beteiligung mit ca. 1% als recht dürftig. Ähnlich wie in der Union, versuchten einige deutsche Kriegsteilnehmer ihre Erlebnisse zu publizieren. Erschwerend kam zu der Tatsache, dass sie zu den Verlieren des Bürgerkrieges zählten das Problem hinzu, sich durch eine Veröffentlichung von Kriegstagebüchern Fragen nach ihrer moralischen Motivation stellen lassen zu müssen. Viele beschränkten sich ausschließlich auf die Beschreibung der militärischen Ereignisse, andere wiederum ließen konzise Rechtfertigungen ihrer Teilnahme am Krieg auf Seiten der Konföderation parenthetisch in den Text einfließen. Dadurch änderte sich am Erkenntnisstand des Lesers überhaupt nichts, gab ihm aber die Möglichkeit, in alle erdenklichen Richtungen interpretieren zu können. Der sicherlich berühmteste Vertreter des deutschen Adels, der mit Feder und Schwert gleichermaßen umzugehen wusste war Johann Heinrich Heros von Borcke. Er verstrickte sich in keine widersprüchlichen Aussagen zum Sklavenproblem in den Südstaaten, sondern zahlreiche Schlachten und kühne Raids der konföderierten Kavallerie stehen im Mittelpunkt seiner Reminiszenzen.

1835 in Ehrenbreitstein als Sohn eines preußischen Offiziers geboren, absolvierte er 1853 eine Militärschule in Halle und trat anschließend in das Garde Kürassier Regiment ein, wo er 2 Jahre später zum Leutnant befördert wurde. Nach einem längeren Aufenthalt in Frankreich kehrte von Borke nach Deutschland zurück und meldete sich in einem Brandenburgischen Dragoner Regiment. Als der Bürgerkrieg in Nordamerika ausbrach und mit viel Verspätung auch militärische Information nach Europa gelangte, erwachte in dem jungen Offizier das Interesse an diesem transatlantischen Konflikt. Anfang 1862 nahm von Borcke seinen Abschied, schiffte sich im April in Irland ein und erreichte 3 Wochen später eine vorgelagerte Bahamainsel. Durch diesen Umweg konnte man die bestehende Seeblockade seitens der Union umgehen. Nachdem ihm in Richmond, Va., die erforderlichen Papiere ausgestellt worden waren, meldete sich Heros von Borcke umgehend zur Kavallerie unter General J.E.B. Stuart. Stuart, ein schneidiger Kavallerist, der zu Beginn des Krieges seinen Dienst in der Unionsarmee quittiert hatte, war zum damaligen Zeitpunkt auf dem besten Wege, sich zur (noch) lebenden Legende zu entwickeln. Heros von Borcke, der als Stabschef unter ihm diente und im Laufe der Zeit eine innige Freundschaft zu ihm entwickelte, hatte einen wesentlichen Anteil an dem Mythos, der sich mit der Gestalt General Jeb Stuart verbinden sollte. Im Juni 1864 wurde von Borke während der Schlacht von Middleton schwer verwundet. Tagelang war unklar, ob er diese Verletzung überleben würde. Schließlich stand fest, dass ihm ein weiterer aktiver Dienst nicht mehr möglich sei. Im Januar 1864 wurde Heros von Borcke mit einem Verdienstschreiben des Kongresses der Konföderation geehrt. Bereits im Mai war er Zeuge, als der von ihm bewunderte General Stuart durch eine Verletzung bei Yellow Tavern aus dem Leben schied. Gleichzeitig markierte dieses Ereignis von Borckes militärischen Abschied sowie das Ende seiner später publizierten Kriegserinnerungen. Ende 1864 wurde Heros von Borke zum Oberst der konföderierten Armee befördert und als Gesandter in politischer Mission nach England geschickt. Selbst nach Kriegsende und Kapitulation agierte er hier im Auftrag der Konföderation. Doch mit Beginn eines neuen Konfliktes 1866 zwischen Deutschland und Österreich zog von Borke, seinem Beruf folgend, als Leutnant eines Dragoner Regiments in den Krieg. Aufgrund seiner schweren Verwundung während des amerikanischen Bürgerkrieges war eine weitere militärische Karriere danach unmöglich, so dass sich von Borcke auf seine Länderein in der Neumark zurückzog.

Im Mai 1884 kam es noch einmal zu einem Höhepunkt in seinem Leben. Auf Einladung alter Bürgerkriegsveteranen reiste er nach Amerika. Hier wurde ihm ein glänzender Empfang bereitet und in zahlreichen Veranstaltungen das Erbe der Konföderation gefeiert. Keine Worte der Reue, kein Versuch einer kritischen Selbstaufarbeitung der Vergangenheit, die Schuldzuweisung lag eindeutig auf Seiten der Union. Heros von Borcke, Berufssoldat, Söldner und Glücksritter war ein fester Bestandteil dieser zweifelhaften memorial days. Im August 1884 reiste Heros von Borcke nach Deutschland zurück. Während der zurückliegenden Monate hatten die Feierlichkeiten und Begegnungen mit Veteranen dazu geführt, den gesamten Amerikanischen Bürgerkrieg nochmals zu durchleben. Auf Drängen seiner Freunde in Deutschland ermöglichte Heros von Borke das Erscheinen einer deutschen Ausgabe seiner 1866 in englischer Sprache erschienen "Kriegserinnerungen". Unter dem reißerischen Titel: "Zwei Jahre im Sattel und am Feinde. Erinnerungen aus dem Unabhängigkeitskriege der Konföderation.", erreichte die Publikation einen guten Absatz, so dass mehrere Auflagen folgten. Von Borckes Darstellungen der Kriegsereignisse zwischen 1862 und 1864 lesen sich wie eine Heldensaga. Tatsächlich beschränkt sich seine Ausführung lediglich auf militärische Aspekte. Die Unionstruppen wurden als Okkupanten angesehen. Somit war der Befreiungskampf der Südstaaten aus deren Sicht absolut legitim. Darüber hinaus konnte man anfänglich trotz militärischer Unterlegenheit glänzende Siege gegenüber dem Feind erringen. Ein perfektes Betätigungsfeld für Berufssoldaten und Glücksritter. Heros von Borcke, Instrument und Botschafter der konföderierten Oligarchie, maß der ethischen und moralischen Komponente des Sezessionskrieges wenig Bedeutung bei. Militärische Aspekte sowie glorifizierte Tugenden wie Ritterlichkeit und Tapferkeit bilden den Schwerpunkt seiner Bücher. Damit entsprach er voll und ganz dem Zeitgeist, da angesichts der Fülle der kriegerischen Auseinandersetzungen jener Tage ausschließlich militärpolitische Fragen zur Diskussion standen. Heros von Borcke beendete sein Leben als angesehener Militärschriftsteller und starb 1895 in Berlin.

                

Johann August Heinrich Heros von Borcke wurde am 23. Juli 1835 auf der Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz als Sohn des Gutsbesitzers und Offizier im 19. Infanterieregimentes Theodor von Borcke (1805 - 1878) geboren. 1846 kam Heros an das Gymnasium in Berlin und zwei Jahre später an das Königliche Pädagogium in Halle. 1853 verließ er diese Institution und trat dem preußischen Gardekürrasierregiment bei. 1855 erhielt Heros von Borcke sein Offizierspatent. Drei Jahre später nahm er seinen Abschied und begab sich für mehrere Wochen auf Reisen, um sich schließlich Anfang 1858 erneut in der Armee zu melden. Bis Anfang 1862 diente er dann im 2. Brandenburgischen Dragonerregiment. Über den Ausbruch des Bürgerkrieges in Amerika informiert, nahm er erneut den Abschied und reiste unverzüglich nach Übersee. Hier meldete er sich in Charleston und wurde der Kavallerie unter General James Ewell Brown Stuart zugeteilt. Zu ihm entwickelte Heros von Borcke eine tiefe Freundschaft, die bis zu dem Tode des berühmten Reitergenerals am 12. Mai 1864 anhielt. Nur kurze Zeit später, am 19. Juni, wurde Major Heros von Borcke in dem Gefecht von Middleburg durch eine Revolverkugel schwer am Hals verwundet. Er musste viele Monate im Krankenlager verbringen, den Tod ständig vor Augen. Am 20. Dezember 1864 wurde ihm von der Konföderierten Regierung der Rang eines Oberstleutnants verliehen und er reiste im Auftrag der Regierung nach England, wo er bis 1866 wirkte. Im gleichen Jahr kehrte er zurück nach Deutschland, um der preußischen Armee erneut seine Dienste anzubieten. Heros von Borcke erhielt den Rang eines Leutnants im 3. Neumärkischen Dragonerregiment, bis er zum Stab des Prinzen Friedrich Carl abkommandiert wurde. In dieser neuen Position nahm er an der Entscheidungsschlacht von Königgrätz am 3. Juli 1866 teil. Die Spätfolgen seiner Verwundung aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg zwangen ihn schließlich im Jahre 1867, seinen Abschied zu nehmen. Am 16. September des gleichen Jahres heiratete er Madalene Honig (1845 - 1883), die Tochter eines wohlhabenden Gutsbesitzers. Die Eheleute siedelten auf die Besitztümer in Westpreußen über. Später, nach dem Tod des Vaters, bewirtschaftete Heros die Länderrein in der Neumark. 1884 reiste Heros auf Einladung der alten Waffenbrüder nach Amerika. Im Ergebnis seiner Reise veröffentlichte Heros von Borcke 1898 seine zwei Bände umfassende Erinnerungen aus dem Bürgerkrieg unter dem Titel: "Zwei Jahre im Sattel und am Feinde", einer überwiegend romantisierende Darstellung der blutigen Auseinandersetzung mit zahlreichen, wertvollen Detailaussagen. Nach dem Tod seiner Frau heiratete Heros 1885 deren jüngere Schwester Tony Honig (1849 - 1928). Im Frühjahr 1895 erkrankte Heros ernsthaft an einer Lungenentzündung, an der er schließlich am 10. Mai des gleichen Jahres in Berlin verstarb.

Wie er kämpften weitere deutsche Adlige in der Konföderation, bevorzugt in der Kavallerie. Baron Robert von Massow, ehemaliger preußischer Offizier, meldete sich 1863 als Stabsoffizier in dem Kavallerieverband Oberst Mosbys. Damit gehörte von Massow einer Truppe an, die insbesondere durch ihre Raids- also durch Einfälle im Hinterland des Feindes- Angst und Schrecken auch bei der Zivilbevölkerung verbreitete. Nach Kriegsende kehrte der Baron nach Deutschland zurück und kämpfte als Dragonerleutnant 1866 im Krieg gegen Österreich.

Baron Robert August Valentin Albert Reinhold von Massow wurde am 26. März 1839 auf Gut Gumbin bei Stolp in Hinterpommern als Sohn von August Karl Valentin (1799-1882) und dessen Frau Wilhelmine Marie von Glasenapp (geb. 1816) geboren. Nachdem er 1857 sein Offizierspatent erhalten hatte, diente er zunächst als Leutnant im 1. Garde Ulanen Regiment in Potsdam. Im Juli 1863 traf von Massow in New York ein. Über Umwege gelangte er in die Südstaaten und schloss sich hier dem 43. Virginia Bataillon unter Oberst John S. Mosby an. Während eines Raids am 22. Februar 1864 wurde von Massow schwer durch einen Schuss in die Lunge verwundet. Er brauchte 6 Monate, um sich wieder einigermaßen zu erholen. Im Frühling 1865 reiste von Massow zurück nach Deutschland. 1866 wurde er Leutnant im 11. Pommerschen Dragonerregiment. Am 10. Januar 1868 heiratete er die neun Jahre jüngere Martha von Löper in Berlin. Zwei Kinder gingen aus der Ehe hervor: 1869 wurde Ewald Robert und ein Jahr darauf Anna Martha Emilie Marie geboren. Im Deutsch - Französischem Krieg beteiligte er sich in der 1. Kavalleriedivision und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Nach dem Krieg ließ sich von Massow zuerst in Oldenburg, später in Berlin nieder. In Oldenburg hatte er am 18. November 1875 Elisabeth Luise Henriette Sophie von Egloffstein (1846-1919) geheiratet. Aus der zweiten Ehe gingen drei Kinder hervor: 1877 wurde Max Julius Valentin geboren. Ihm folgte 1881 Marie Luise Pauline und ein Jahr später schließlich Werner August Valentin. 1888 erhielt der Baron das Kommando über das 2. Garde Ulanen Regiment, zwei Jahre später hatte er den Oberbefehl über die Kavallerie. 1899 wurde er zum General der Armee ernannt. Am 21. September 1906, nach fast 54 Jahren Dienst, nahm von Massow seinen Abschied vom Militär. Er starb am 16. Dezember 1927 in Wiesbaden.

 

Ein Baron von Barke, ebenfalls preußischer Offizier, hielt sich während des Sezessionskrieges als aide-de-camp im Stab General Stuarts auf. Wedig Franz Alexander von Schmeling (1834-1886) war Stabsoffizier in der Missouri-state-guard.

Ähnlich wie Heros von Borke berichtete ein anderer deutscher Adliger später von seiner Teilnahme am Bürgerkrieg. Viktor Ernst Karl Rudolf von Scheliha (1826-1899), ein preußischer Offizier, diente als Oberstleutnant im Stab des konföderierten General Buckner und kommandierte später das Ingenieurcorps. 1868 erschienen seine ausführlichen Berichte über die Befestigung von Küstenanlagen unter dem Titel "A treatise on coast-defence" in London. Von Scheliha widmete das 326 Seiten starke Werk Prinz Adalbert von Preussen. Zum Zeitpunkt des Erscheinens der miltärischen Schrift hielt sich von Scheliha wieder in Berlin auf.

Aufgrund der geringeren Teilnahme deutscher Einwanderer in der Armee der Südstaaten existierten keine reindeutschen Regimenter oder gar Divisionen, wie es in der Union üblich war. In den Einmusterungsunterlagen finden sich allerdings eine ganze Anzahl deutscher Kompanien, ca. 80- 100 Mann stark, die neben der deutschen Bezeichnung auch von eingewanderten Offizieren befehligt wurden. Ein Hauptmann Otto von Röder kommandierte die A Kompanie in einem Texas Infanterieregiment. Ein Baron Wilhelm Heinrich von Eberstein meldete sich im April 1861 als einfacher Soldat und stieg bis zum Sergeant Major (Unteroffiziersrang) in der 7. North Carolina Infantry auf. Laut der Historikerin Ella Lonn (1879-1962) war von Eberstein Deutscher. Allerdings wurde er im Jahr 1821 in der Bretagne in Frankreich geboren. Von Eberstein war ein Glücksritter par excellence. Bereits mit 14 Jahren befuhr er im Auftrag der britischen East India Company die Weltmeere. In den 1840er Jahren diente er als Offizier in Afrika. 1850 schloss sich von Eberstein der sächsischen Armee an, nachdem er zusammen mit seinem Bruder Verwandte in Dresden besucht hatte. Im Juli 1851 kam er schließlich in Chocowinity, North Carolina an. Hier arbeitete er als Ingenieur und Händler. Mit Ausbruch des Bürgerkrieges meldete er sich am 22. April 1861 als private in der K-Kompanie des 10. Regimentes der N.C. Artillerie und stieg rasch zum Feldwebel auf. Später wechselte er in den Stab des 61. Regimentes. Während der Belagerung von Charleston, S.C., wurde er am 28. August 1863 verletzt. Anfang Oktober war seine Genesung wiederhergestellt und er kehrte zurück zur Truppe. Nach erneuter Verwundung im Mai 1864 erhielt von Eberstein am 4. Oktober 1864 seine ehrenvolle Ausmusterung und er kehrte dem Militär endgültig den Rücken. Wilhelm Heinrich von Eberstein starb 1890 und wurde auf dem Trinity Cemetery, Chocowinity, North Carolina, beigesetzt.

Die 20.  Louisiana Infantry bestand zu einem großen Teil (6 Kompanien) aus deutschen Einwanderern und wurde von dem ehemaligen preußischen Offizier Leon von Zinken kommandiert. Gerade um seine Person ranken sich zahlreiche Legenden. Nach seiner Teilnahme an der Schlacht von Shiloh diente er als Generalinspekteur im Stab General Breckenridge. 1863 übernahm er das 19. und 20. Louisiana Infanterie Regiment und führte die Einheiten bei Chickamauga. Sowohl bei den eigenen Truppen als auch bei den feindlichen Unionssoldaten genoss von Zinken großes Ansehen. Durch sein verwegenes und kaltblütiges Auftreten im dichtesten Schlachtgetümmel beeindruckte er Mannschaften wie Offiziere gleichermaßen, die
voller Stolz, behaupteten dass "Für den keine Kugel gegossen ist." Die Annahme, Leon von Zinken sei während der Feldzüge 1864 gefallen und hätte seine letzte Ruhe in einem namenlosen Soldatengrab gefunden, konnte durch neue Forschungen widerlegt werden. Nach dem Krieg arbeitete als Auktionär und Verkäufer. 1870 betätigte sich von Zinken als Rechtsanwalt und starb allerdings ein Jahr später in New Orleans. 

Aber auch die konföderierte Artillerie profitierte von den Erfahrungen deutscher Offiziere. Ein Hauptmann Ludwig von Buchholtz hatte bereits in Deutschland als Artillerieoffizier gedient und übernahm zu Beginn des amerikanischen Bürgerkrieges das Artilleriebataillon unter General Wise. Bereits ab 1855 fungierte von Buchholtz im Rang eines Hauptmanns in den Virginia Rifles, einer Milizeinheit in Richmond. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Landvermesser.

Aufgrund ihrer zahlenmäßigen Geringfügigkeit spielten die Deutschen als ethnischer Faktor in der Konföderation keine Rolle. Abgesehen davon, dass einige Soldaten zum Dienst gezwungen wurden gab es ohnehin nur Schwierigkeiten mit der deutschen Minorität in den Südstaaten. Unruhen und Aufstände wurden sofort im Keim erstickt, woraufhin eine ganze Anzahl deutscher Siedler sich auf den Weg nach Norden machte, um der Repression zu entgehen. Deutsche, die in Kompanien oder anderen militärischen Einheiten zusammengefasst freiwillig für die Konföderation in den Krieg zogen taten dies lediglich aus der Überzeugung heraus, ihre Wahlheimat gegen einen aggressiven Gegner verteidigen zu müssen. Kaum einer von ihnen versuchte die Sklaverei auf diese Weise aufrecht zu erhalten.

Natürlich ist die Beteiligung der Deutschen im amerikanischen Bürgerkrieg ein wesentlich komplexeres Thema, als hier dargestellt. Es sollte auch nur speziell die Rolle der vielleicht bekanntesten deutschen Adligen beschrieben werden. Erstaunlicherweise ergibt sich hierbei ein sehr vielschichtiges Bild. Nicht alle adligen Offiziere sind durchweg als Abenteurer zu bezeichnen. Eine Vielzahl von ihnen hatte ganz bestimmte politische Vorstellungen, die sie durch ihre Teilnahme am Bürgerkrieg umzusetzen versuchten. Keiner von ihnen beendete den Krieg mit Ruhm und Ehre oder gar finanziellen Reichtum. Viele verarmten oder suchten in anderen kriegerischen Auseinandersetzungen ihr Glück.

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